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Feinde, die ihn dazu zwangen, als der Ausfluss einer subjektiven Streiternatur.

Die Neigung, im Menschen eher den Typus und den Charakter als das Individuum zu erfassen, beruht bei Molière manchmal wohl auf einem Versagen der schöpferischen Phantasie, öfters wohl auf einer Konzession an die klassische Poetik, in der Hauptsache aber doch auf seinem starken Bedürfnis nach Verallgemeinerung und Objektivierung des Geschauten, Erlebten und Erlittenen. Sogar das Wenigste in seiner Objektivität ist zeitlich bedingt oder konventionell. Man kann nicht wissen, was aus demselben Mann geworden wäre, wenn er unter dem Zeichen der Romantik gelebt hätte; aber soviel ist sicher, dass ein Dichter, der mit dem Tod im Herzen noch den ‘Malade imaginaire' schafft, in allerhöchstem Masse die Fähigkeit besitzt, sich über sich selbst zu erheben. Was ist die komische und schauspielerische Begabung überhaupt anderes als ein Antidoton gegen Subjektivität?

Damit soll nicht in Abrede gestellt werden, dass gerade die besten Stücke Molières Gelegenheitsdichtungen sind. Eines äusseren und inneren Erlebnisses bedarf es natürlich zu jedem guten Kunstwerk; aber dieses persönliche Element scheint hier nicht so wesentlich, dass es der ganzen Darstellung mit innerer Notwendigkeit zu Grunde gelegt werden musste.

Wenn sich Schneegans trotzdem für die streng biographische Darstellung entschlossen hat, so erreicht er damit allerdings das eine, was keiner vor ihm in so eindringlicher Weise vermochte: er bringt uns seinen Helden menschlich näher, erwärmt uns für ihn, erschliesst uns den Einblick in sein Herz und flösst uns mit dem historischen Verständnis zugleich die Liebe ein. Besonders wenn man den Zweck der Popularisierung ins Auge fasst, so hat Scheegans sicherlich den besten Weg gefunden. Schlicht und anspruchslos, lebendig und schmiegsam läuft die Erzählung dahin und wechselt unvermerkt mit der Belehrung über Milieu, Sitten und Unsitten, über Quellen, Inhalt, Technik, scenische Aufführung, Erfolg oder Misserfolg, künstlerischen und kulturellen Wert der einzelnen Stücke. Durch vergleichsweises Zurück- oder Vorgreifen auf frühere oder spätere Werke des Dichters wird der künstlerische Entwickelungsgang und technische Fortschritt, auch über die eingeflochtene Biographie hinweg, immer wieder in Zusammenhang gebracht. Wie von selber fügt sich nach und nach ein Charakterzug an den anderen; und es formt sich unter unseren Augen ein immer klareres, umfassenderes Bild; nie tritt ein neues Element unvorbereitet ein, so dass der Fortschritt der Darstellung in merkwürdigster Weise dem organischen Sichauswachsen der dargestellten Persönlichkeit gleicht. Der Verfasser hat es darum auch nicht nötig, seine Erzählung durch theoretisierende Betrachtungen, Resumés und dergleichen zu beschweren. Sobald der Held die Augen schliesst, hat sein Illustrator auch den letzten Pinselzug schon aufgetragen: das Bild ist fertig: klar und sprechend – und spricht auch für sich selbst. Heidelberg

Karl Vossler.

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Voltairiana inedita aus den Königlichen Archiven zu Berlin, her

ausgegeben von Wilhelm Mangold. Berlin, lib. Wiegandt et Grieben, 1901. 91 p.

L'intéressant opuscule que publie M. Mangold contient cinq lettres inédites de Voltaire, et une lettre de son ami Thieriot écrite en 1739 au prince royal de Prusse.

Cette dernière lettre était mal écrite, et n'a pas été bien déchiffrée: ... une personne de la cour dit qu'on pouvait appliquer aux accès de Voltaire ce qu'on disait des enfants d'Hérode; au reste, monseigneur, je ne vous aurais jamais [écrit] après des traits aussi affligeants ... Lisez: aux amis de Voltaire. — Le mot écrit a été intercalé par l'éditeur; lisez: je ne vous aurais jamais appris des traits ... – Une amicale communication de M. Mangold, à qui j'avais proposé ces corrections, m'apprend qu'il a revu l'original, et reconnu qu'elles étaient justes.

Quant aux enfants d'Hérode, l'éditeur cite en note un passage de l'Evangile qui se rapporte au massacre des Innocents. Mais non: Thieriot faisait allusion au mot de l'empereur Auguste, qui disait, après qu'Hérode eut fait mettre à mort deux de ses enfants, lui qui, en bon juif, ne mangeait jamais de viande de porc: 'Il vaut mieux être le pourceau d'Hérode, qu'être son fils!' – Thieriot trouvait de même que Voltaire traitait ses amis comme il n'aurait pas traité son chien.

A la fin de cette lettre de Thieriot, un quatrain de Sainte-Aulaire a été imprimé comme si c'était de la prose.

Une lettre adressée à Voltaire est attribuée par l'éditeur à Frédéric le Grand. Elle est certainement d'un Allemand; mais à lire ce paragraphe: *C'est avec raison que vous nous portez envie, à nous qui vivons à Potsdam, qui nous représentons le siècle d'Auguste comme présent, à nous à qui il est permis de penser, parler, poétiser avec autant de justice que de liberté, j'attribuerais plutôt cette lettre à quelque personne de l'entourage du roi.

L'éditeur a quelquefois (pages 44, 69, et 81, note 11) proposé des corrections dont son texte n'avait pas besoin. Page 41, je lirais: Quand Belle-Isle partit de nuit ...; page 45: on la connut; page 52: ainsi Dieu le voulut. Genève.

Eugène Ritter.

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Voisler.

Aucassin et Nicolette, chante-fable du XII ème siècle, mise en

français moderne par Gustave Michaut, avec une préface de Joseph Bédier. Ohne Ort und Jahreszahl (Vorrede 1901 datiert). XLVII, 135 S. kl. 8.

Bédier behandelt in seiner Vorrede des Werkes die Stellung der Dichtung von Aucassin und Nicolette in der Gattung der Idyllen und begrüsst die vorliegende Übersetzung als ein neues Glied in der augenblicklich wirksamen renaissance romane. Archiv f. n. Sprachen. CVIII.

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Michaut giebt in seiner Einleitung zuerst eine Übersicht über den Stand der die Dichtung betreffenden Forschung unter Anführung der Ausgabe von Suchier, der Einleitung von G. Paris zu Bidas Übersetzung und der Bemerkungen desselben Gelehrten im 29. Bande der Romania. Es folgt eine poetische Würdigung der Dichtung und die Begründung dafür, dass die Abenteuer in Torelore in den Anhang verlegt sind. Die neue Übersetzung will den Stoff einem grösseren Publikum zugänglich machen, womit wohl angedeutet sein soll, dass Bidas schöne Arbeit mit ihren reizenden Radierungen nicht für jeden zu erschwingen ist. Die Ubersetzung schliesst sich an den Text der vierten Auflage Suchiers an, benutzt aber an einigen Stellen die Änderungsvorschläge von G. Paris.

Der Verfasser der Übersetzung hat sich in seinen früheren Arbeiten auf dem Gebiete der klassischen Philologie und dem der neueren französischen Litteratur bethätigt, seine Studien hatten sich bisher nicht auf das Mittelalter erstreckt. So hat denn auch die Interpretation der bisher dunkel gebliebenen Textstellen durch ihn keine Förderung erfahren. Die Übersetzung folgt, wenn irgend möglich, wörtlich dem Urtext, leider so sehr, dass selbst ein ausländischer Leser die Anlehnung als zu stark empfindet, auch wenn er nicht durch Bédiers Bemerkung auf S. XII darauf aufmerksam gemacht wäre. Wenn, wie der Übersetzer beabsichtigt, die schöne Dichtung weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden soll, so darf der poetische Reiz nicht durch einen doch etwas gezwungen scheinenden altertümlichen Stil verschleiert werden, der nur dem philologisch Gebildeten den ihm zugedachten Genuss ungestört lässt. Für den Laien führt die Beibehaltung altertümlicher Ausdrücke leicht zu Missverständnissen, da oft ein solcher Ausdruck im modernen Französisch eine andere Bedeutung angenommen hat. So durften wohl afz. dolent und cortois nicht durch nfz. dolent und courtois wiedergegeben werden. Der Genauigkeit der Übersetzung sind auch die Assonanzen der gesungenen Abschnitte zum Opfer gefallen; die Silbenzahl (7) ist meist aufrecht erhalten, leider nicht immer, so dass man nicht die Empfindung bekommt, gebundene Rede zu lesen.

In V. 2 des ersten Abschnittes ist Michaut bei der Lesart duel caitis stehen geblieben, die, wie inzwischen durch A. Schulze (Arch. CII 224) nachgewiesen ist, sicher nicht in der Handschrift steht. Im vierten Abschnitt heisst es vom Schlosse des Vizgrafen (Z. 20): un rice palais par devers un gardin, was Michaut übersetzt mit: un riche p. au fond d'un jardin. In Z. 26 desselben Abschnittes ist une fenestre par devers le gardin richtig durch (il y avait seulement) sur le jardin une fenêtre wiedergegeben. An einer Stelle lehnt sich der Übersetzer, soweit ich sehe, an keine der vorgeschlagenen Lesarten an. Es ist dies in Abschnitt 14, Z. 20 bei dem Ausspruch Aucassins über die Liebe der Frauen im Gegensatz zu der der Männer. Es heisst dort in der Handschrift: Car li amors de le femme est en son oeul, Suchier liest, anlehnend an das Folgende, en son l'oeul, Bartsch en son l'oeil; Michaut übersetzt à la pointe de ses cils, womit er sich, wenn er nicht eine andere Lesart übersetzt, unverhältnismässig weit vom Wortlaute des Urtextes entfernt. Missverstanden scheint der Anfang von Abschnitt 23: Aucassins les mos i de s'amie o le gent cors, | mout li entrerent el cors, wo Michaut übersetzt: Aucassin entend le message -de sa mie au corps charmant les mots entrent dans son cour. Endlich ist 24, 13 vallet mit vilain übersetzt; dass es ein Bauer ist, lehrt seine Erzählung, vallet ist eigentlich nur 'Bursche'. Charlottenburg

Rudolf Tobler.

sischen Graner J. Leitritz. Mit eipzig, Renger, 19

uswahl detzungsetielle

Frankreich in Geschichte und Gegenwart. Nach französischen

Autoren zur Einübung der französischen Grammatik. Ein Übungsbuch zu jeder französischen Grammatik, insonderheit zu Böddekers "Die wichtigsten Erscheinungen der französischen Grammatik'. Herausgeg. von Prof. Dr. Böddeker und Oberlehrer J. Leitritz. Mit einer Karte von Frankreich und einem Plane von Paris. Leipzig, Renger, 1901. XIX,

227 S.

Das vorliegende Buch will einem doppelten Zwecke dienen, dem Sprachund dem Sachunterrichte. Es will Materialien zum freien Übersetzen in die fremde Sprache bieten und damit der Einübung und der Vertiefung der grammatischen Kenntnisse dienen, den Stoff dazu aber so wählen, dass die Forderung nach Unterweisung in den Realien, die bisher besonders bei der Auswahl der Lektüre erhoben wurde, erfüllt werde. Zu dem Zwecke sind die Übersetzungsstücke so gewählt, dass sie einen Überblick über die politische und kulturelle Entwickelung Frankreichs, über die Hauptepochen seiner Geschichte, sowie über das Leben und die Thaten seiner grossen Männer, eine ausreichende Anschauung von dem fremden Lande und Volke und seiner Eigenart geben.

Das Buch ist nicht das erste, das diese beiden Zwecke zu vereinigen sucht; aber eines der besten und konsequentesten in seiner Art. Die Stücke beruhen zum grossen Teil auf frei verarbeiteten französischen Originaltexten. So wird die Gewähr geboten, dass die Unterlage dem Schüler und Lehrer auch wirklich die Möglichkeit giebt, etwas echt Französisches hervorzubringen. Bei aller Rücksichtnahme auf die einzuübenden grammatischen Erscheinungen ist doch dem Texte niemals in der Weise Gewalt angethan worden, dass man ihn durchaus für die Anwendung einer Regel zurechtpresste. Die Inhaltsverzeichnisse geben einerseits die grammatischen Erscheinungen an, die die einzelnen Stücke berücksichtigen, andererseits die Autoren, denen die Texte entnommen sind.

Der Text ist, was mir ein Vorzug scheint, weder durch Anmerkungen noch durch Hinweise unterbrochen. Ein Anhang aber giebt Übersetzungshilfen, die mir auch für die schwierigeren Stücke völlig auszureichen scheinen. Berlin.

Theodor Engwer.

Köcher, Dr. Edmund, Ancien régime. (Neusprachliche Abhand

lungen, herausgegeben von Dr. Cl. Klöpper-Rostock, 7. Heft. Dresden u. Leipzig, C. A. Koch.) XII, 104 S. 8. M. 2,80.

Dieser Arbeit kann kein grosses Lob gespendet werden. Ausserlich fällt eine seltene Unübersichtlichkeit störend auf: man denke sich ein Buch von 104 Seiten ohne Register, ohne jede Kapiteleinteilung, ohne Unterbrechung der Darstellung. Gerade bei einer Arbeit, die pädagogische Zwecke verfolgt, vermisst man ungern alle Mittel der Orientierung. Auch der Inbalt ist ungeordnet. Die vorn genannten Quellen (unter denen Luchaires wichtige Forschungen fehlen) sind kompiliert, nicht verarbeitet, S. 10 ist Ranke fast wörtlich ohne Citat ausgeschrieben. Während Unwichtiges breit vorgetragen wird, bleibt Wichtiges fort: der Kampf Philipps IV. mit dem Papsttum, der Anfang der Valois, Jeanne d'Arc, Jacques Caur, Montesquieu, Quesnay sind gar nicht genannt. Die gefälschte Pragmatische Sanction ist zu 1268 als echt angeführt. Auf langen Strecken (S. 15) fehlen wichtige Datenangaben, auch die der Bartholomäusnacht (S. 37). Es verrät Flüchtigkeit, wenn Personen und Ereignisse so angeführt werden, als ob sie vorher schon genannt seien, was doch nicht der Fall ist, so S. 30 der Admiral (Coligny ist gemeint), so S. 22 ‘das französische Übergewicht in Italien', von dem wir noch kein Wort gehört haben. S. 7 muss es, statt Karl, Ludwig VIII heissen. - In den späteren Partien werden die Auszüge aus Ranke u. a. immer häufiger. Während die auswärtigen Dinge ganz wegbleiben, werden die inneren, die oft erst durch jene zu verstehen sind, mit vielen unnötigen Einzelheiten aufgezählt. Dennoch sind dies die brauchbarsten Seiten des Buches, weil eine Menge nützlicher Notizen, wenn auch ohne Kritik, zusammengestellt ist. Friedenau.

R. Sternfeld.

La classe en français. Ein Hilfsbuch für den Gebrauch des

Französischen als Unterrichts- und Schulverkehrssprache von

Dr. K. Engelke. Gotha, Perthes, 1901. VI, 59 S. Manuel de conversation scolaire. Recueil de termes techniques

pour l'enseignement du français par Gustav Schmidt. Berlin, Gaertner, 1901. IV, 67 S.

Beide Bücher wollen Lehrern und Schülern Hilfsmittel bei dem Versuche sein, in der französischen Stunde die fremde Sprache als Unterrichts- und Verkehrsmittel zu verwenden. Die ‘Lehrpläne und Lehraufgaben' von 1901 kommen diesem Bestreben ja entgegen, verlangen jedoch nicht den ausschliesslichen Gebrauch der fremden Sprache, den das Vorwort des erstgenannten Werkes von U III an verlangt.

Für die Lektüre lassen die ‘Lehrpläne' (S. 43) nur die ‘Versuche zu, ‘an die Stelle der Übertragung in gutes Deutsch zeitweise eine Besprechung des Textes in der fremden Sprache treten zu lassen, ... soweit als die Sicherheit des Lehrers und die Entwickelung der Schüler auch bei diesem

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