Pagina-afbeeldingen
PDF
ePub

und durch volkstümlich, wie sie schon im Mittelalter gäng und gäbe waren und, wovon mancher Litterarhistoriker vielleicht nichts weiss, noch heut an den Biertischen unserer Kleinstädte kräftig fortleben, wovon auch das Archiv des Vereins für bayerische Volkskunde zu erzählen weiss. Dieser Litteraturzweig ist gewiss nicht der wertvollste, mit dem sich die Volkskunde zu befassen hat, aber gerade weil er bisher über Gebühr vernachlässigt wurde, sei hier nachdrücklich auf Merkens köstliches Werkchen hingewiesen, von dem soeben der dritte Band erschien. Würzburg.

Robert Petsch.

Englisches Reallexikon (mit Ausschluss Amerikas). Unter Mit

wirkung von Prof. Dr. K. Böddeker, Stettin – Prof. Dr. F. J. Wershoven, Tarnowitz - Oberlehrer Dr. Karl Becker, Elberfeld — Oberlehrer Dr. Gustav Krueger,' Berlin Oberlehrer Johannes Leitritz, Stettin. Herausgegeben von Dr. Clemens Klöpper in Rostock. Leipzig, Rengersche Buchhandlung (Gebhardt & Wilisch), 1897. 2 Bände. M. 60.

Das vorliegende Werk hat zwar schon von anderen Seiten die schärfste Verurteilung erfahren, und da dies von Anfang an auch meine Ansicht über das Reallexikon war, wäre eine ausführliche Besprechung eigentlich überflüssig. Aber ich möchte hier auf ein paar Eigenschaften der Publikation besonders hinweisen, die, weil sie mir leider typisch scheinen, eine öffentliche Besprechung verdienen.

Es ist von einem anderen Recensenten getadelt worden, dass der Raum und mit ihm der Preis, der für das Lexikon angesetzt war, um die Hälfte überschritten wurde. Dies ist zum grössten Teil die Schuld des Herausgebers. Die Raumverschwendung ist eine geradezu ungeheuerliche. Verschiedene Artikel treten in zweierlei Gestalt – offenbar von verschiedenen Mitarbeitern herrührend – nebeneinander auf, ohne dals der Redacteur dies bemerkt zu haben scheint. Solche Doppelartikel, von denen der eine stets einfach zu streichen wäre, sind z. B. Waxworks und Waxwork Show; South-Sea Company und South-Sea Scheme; Launfal und Launfal, Sir; Homilies of the Church of England und Homilies, The Book of u. 8. W. Andere Einträge weisen eine geradezu lächerliche Weitschweifigkeit auf. So nimmt unter Gentlemen's Shops die Aufzählung der heutigen Londoner Schneiderfirmen über zwei Spalten in Anspruch. Welche Verschwendung ist es, wenn unter Foreign Words "Proben von Fremdwörtern' – übrigens nicht Fremdwörter in unserem Sinne, sondern ganze Phrasen in fremder, meist lateinischer, Sprache – wenn diese ‘Proben' über 28 Spalten einnehmen. Oder was soll es heissen, wenn unter Traveller's Handbooks über ein Dutzend Spalten mit der gedankenlosen Aufzählung von Reisehandbüchern ausgefüllt wird, die noch dazu

1 Herr Dr. Krueger hat, weil mit den Principien des Herausgebers nicht einverstanden, später seine Mitwirkung zurückgezogen.

alphabetisch nach den Namen der Verfasser oder Verleger angeordnet sind? Eine solche sinnlose Verteuerung des Buches muss jeden empören, der Sinn für ordentliche litterarische Arbeit besitzt. Und dies sind nur ein paar herausgegriffene Proben. Die Anzahl der gänzlich wertlosen, überflüssigen und aus einem englischen Reallexikon glatt herauszustreichenden Artikel ist Legion. Typisch ist ein Eintrag wie 'Horaces of England. Als solche werden bezeichnet ...' Poetarum Saxonicum Peritissimus. So nennt ein alter Chronist König Alfred.' "Grizel oder Grissel. Octavia, die Gemahlin des Augustus, wird die "patient Grizel" der römischen Geschichte genannt.' Ein sehr schöner Artikel ist der folgende: "Time-Honoured Lancaster (unter T!). Shakespeare nennt ihn "time-honoured" und "old"; geehrt war er jedenfalls, doch war er bei seinem Tode erst 59 Jahre alt. -“Old” steht auch in der Bedeutung: vor langer Zeit, in alten, längst vergangenen Zeiten: z. B. Old Hesiod.' Diese verblüffende Erklärung hat bisher allerdings noch niemand für das bekannte Wort Richards II. (Old Gaunt) vorgebracht. Was hat z. B. ein Absatz über Luipercal oder Wellingtonia in unserem Buche zu suchen? Wozu wird hier The Unmentionables in sieben Zeilen erklärt ? Was soll der Artikel über das Verbum to get im Reallexikon ? Dabei erfährt man häufig die Hauptsache nicht. Der folgende Eintrag ist dafür charakteristisch: Tug. Ein Name unter den Studenten zu Eton. Der Ausdruck kommt

entweder von “tog", dem Kleide, welches Studenten zum Unterschiede
v. den “Oppidans” tragen, od. v. "tough mutton":

“A name in college handed down
From mutton tough or ancient gown.”

The World, February 17, 1893 (p. 31).' Was hat der ganze Absatz für einen Sinn? - Zu streichen ist z. B. auch der Artikel Herodias, der übrigens auf einer Verwechselung mit Salome seitens des offenbar nicht bibelfesten Verfassers oder Redacteurs beruht.

Was für ein Reallexikon am nächsten läge, fehlt in den weitläufigen Artikeln sehr häufig. So sucht man unter Sir vergeblich die Bedeutung des Wortes als Titel. Unter Porridge findet man nichts über dieses schottisch-englische Nationalgericht, sondern da wird nur die 'Redensart every thing tasts of porridge umschrieben – und wie! Ebenso ist z. B. Rupee Paper erklärt, was eine Rupee ist, sagt uns aber niemand. Unter Tyrone erfährt man nicht, dass je ein Mann diesen Namen getragen hat. "Wallace, The Acts And Deeds Of Sir William. Eine poetische Chronik, geschrieben um das J. 1460 v. dem Minstrel Blind Harry,' etc. Aber wer Wallace ist, kann der Leser in einem anderen Buche suchen. Bei Venerable steht zwar, dass the venerable Imitator 'ein Titel des William of Occam' sei, aber damit ist die Weisheit erschöpft. Dass heute wirklich ein solcher Titel gebraucht wird, sagt uns das “Reallexikon' nicht.

Am meisten beinahe zu tadeln scheint mir der Stil der Artikel. Die Verfasser sind doch Erzieher der Jugend, Lehrer an Gymnasien und Realschulen, die ihren Schülern ein ordentliches Deutsch beibringen sollen. Aber der Stil des Buches ist grossenteils unter dem Niveau eines Tertianer

[ocr errors]

aufsatzes. Man sage mir nicht, dass der Raum zu beschränkt gewesen sei: ich habe oben schon auf die unglaubliche Raumverschwendung im grossen hingewiesen, dasselbe ist aber fast in jedem Einzelartikel der Fall, es wimmelt von absolut nichtssagenden, raumfressenden Worten und Phrasen. Ein grosser Teil der Stilsünden gehört natürlich in das Gebiet des schlechten, weil zu bequem-wörtlichen, Übersetzers. Oft war es dem Verfasser zu umständlich, alles zu übersetzen, und er liess einfach ein paar Wörter, einen halben oder einen ganzen Satz unübersetzt: denn einen anderen Grund kann ich für das Kauderwelsch, das einem hier geboten wird, nicht einsehen. Vgl. unter Whitehall ... 'In der grossen Gallerie empfieng Elisabeth den Speaker and (sic!) das Common House, when they came “to move her grace to marriage". ... Guy Fawkes wurde hier in des Königs bedchamber examiniert' u. s. ö. Was soll das Folgende heissen (s. v. Music Halls): 'In der Castle Tavern in Paternoster Row waren beständig second-rate singers der Oper beschäftigt aus den besten Instrumentalisten der Stadt'? Oder: "St. James's Square (s. v.) befindet sich wie die meisten im Westend von London ... Unter Waxworks: 'Es ist ein Irrtum zu glauben, dass erst Madame Tussaud' die Wachsfiguren u. -Bilder erfunden habe; vielmehr rühren sie v. den Römern. Unter Popinjay: ‘Der Papagei war mit teilweise gefärbten Federn ausstaffiert, so dass er einem Papagei glich. Die vielen englischen Citate scheinen dem Verfasser aber manchmal zu schwierig für den Leser, und so fügt er in wenig geschmackvoller Weise die Übersetzung der seltensten Vokabeln hinzu. So wird unter Painting hinter discipline (Schule), hinter dissever (trennen), unter Policeman hinter fixed points (feste Punkte), unter Rat, the Cat ... etc. hinter boar (Eber) eingeschaltet. Wäre es da nicht besser gewesen, nur das Deutsche zu bieten? Abscheulich ist die Art, wie viele Wörter abgekürzt werden, eine Sparsamkeit, die an anderer Stelle sehr angebracht gewesen wäre. Beispiele finden sich in den angeführten Citaten genug. Eine solche Vernachlässigung der äusseren Form bedeutet eine grosse Rücksichtslosigkeit gegen den Leser.

Was einem an Thatsächlichem geboten wird, ist im allgemeinen sehr unzuverlässig. Zwar wird man jedes Winkelblättchen angeführt finden, denn es ist ein englisches Zeitungsverzeichnis ganz aufgenommen worden, desgleichen alle Arten von Kinderspielen - auch hier scheint dem Verfasser eine gedruckte Materialsammlung vorgelegen zu haben -; aber die Kulturzustände, das, was von Geschichte und Litteratur in ein Reallexikon gehört, und vieles, was nicht hineingehört, ist durchaus nicht mit der kritischen Sorgfalt dargestellt, die man erwarten sollte. Sehr oft findet man in einem unserer deutschen Konversationslexika besseren und zuverlässigeren Bescheid als in diesem Buche. Es ist traurig, dass den Herren, die doch alle auf deutschen Universitäten studiert haben, die alten Dialekte ganz fremd geworden zu sein scheinen. Es wird fast nur noch von

Mit diesen Worten, die für deutsche Leser nicht berechnet sein können, beginnt der Artikel.

(sächsischer Sprache und Kultur gesprochen, wo man angelsächsische meint; in den paar altenglischen Wörtern, die angeführt werden, finden sich böse Fehler, ja einmal geht ein solcher Lexikograph sogar so weit, von 'dem normannischen Glückwunsch “Was häl”, d. h. “Bleibe gesund”, od. “To your health” zu sprechen. Das ist die stärkste Leistung bei einem Neuphilologen'! Diesem Standpunkt entspricht es, wenn Housel (s. v.) als 'Häuschen', Tabernakel, erklärt wird, wenn man puss für Hase von lepus ableitet, wenn sich Einträge finden wie der unter Surnames : 'Griffith ist = Great Faith; Alfred bedeutet all peace ... Das Präfix O’, wie in O'Brien, halten einige für eine Kontraktion v. of... Solche Lokalnamen sind auch zuweilen verstümmelt; so bedeutet field ley; daher die Namen Lee, Lea, Leigh, Leeson, Leighton etc., sowie diejenigen mit der Endung ley, wie Bromley, Bromleigh, Cranley, Tapley u. a., auf field zu. rückzuführen sind. Unter Lent heisst es: 'Der angelsächsische Name für den März-Monat war Lenet-monađ = length month, weil die Tage im März schnell zunehmen.' Lollards wird sinnig erklärt: 'Das Wort ist wahrscheinlich v. deutschen “lollen”, “sanft, leise singen”, abgeleitet, so dass der Beiname Walters nur sagen würde, dass er umherzog u. seine Ideen durch Gesänge sanft reformatorischen, Missbräuche milde tadelnden Charakters zu verbreiten suchte.' Normannen und Angelsachsen scheinen auch im Artikel Gonfanon vermengt: 'So hiess das geheiligte Banner der Normannen ... Als Harold im Auge verwundet war, wurde er zum Fusse dieser heiligen Fahne getragen; die Engländer sammelten sich wieder um ihn, aber sein Tod verlieh den Angreifern den Sieg. Einen nicht sehr modernen Standpunkt bezeichnet es auch, wenn unter Minstrel die Barden als Sänger der alten Germanen aufgefasst werden. Unter Moralities and Mysteries werden zwei Mysteriencyklen als 'kürzlich veröffentlicht' angeführt: die Yorkspiele sind für den Verfasser noch nicht entdeckt. Die Litteraturkenntnis muss man öfters anzweifeln: so erscheint unter Pindar der - "Pindar of Wakefield” (George-a-Green). Die Miracle Plays datieren aus dem 12. Jahrh. und waren mehrere 100 Jahre die einzige Form des Dramas'. Der Autor traut sich aber auch selbst nicht viel zu, wenn er für das folgende Urteil eine fremde Autorität citieren muss: 'Das Paradise Regained (s. v.) ... enthält, wie Masson sagt, expressly and exclusively the Temptation of Christ by the Devil in the Wilderness, after his Baptism by John. Ich könnte noch eine Menge von zum Teil amüsanten, zum Teil aber auch traurigen Details anführen, um mein absprechendes Urteil über das Lexikon zu begründen, aber das Angeführte genügt wohl. Nur noch auf den Artikel Poetry möchte ich den hinweisen, der sich ein paar heitere Minuten bereiten will. Am schlimmsten kommt Gower weg, 'dessen “Confessio Amantis" eine Aneinanderreihung manigfacher Dummheiten ist und dessen allgemeiner lehrhafter Ton ihm von Chaucer den Beinamen “des Moralischen" eingetragen haben soll. Ich will nicht boshaft sein,

Sollte das Reallexikon eine zweite Auflage erleben, was bei einem derartigen Lieferungswerk trotz der schlechten Qualität nicht ausgeschlossen ist, so wünsche ich ihm zunächst einen anderen Redacteur. Dieser hätte vor allem kräftig zu streichen: denn ich glaube nicht zu viel zu sagen, wenn ich behaupte, zwei Drittel sind unnützer Ballast. Sodann wünsche ich ihm, dass die Mitarbeiter langsam, solid und gewissenhaft prüfend ihr Material sammeln: es ist noch vieles dazu zu sammeln, aber man darf nicht einfach ein englisches Konversationslexikon hernehmen und das schlecht übersetzen. Endlich hoffe ich, dass dann auch die äussere Form, der Stil, etwas geniessbarer werde und die vielen unverständlichen Artikel verschwinden. Wenn diese Bedingungen erfüllt werden, kann das Buch sehr nützlich werden; so aber, wie es jetzt ist, kann ich mich nur den Stimmen anschliessen, die darin eine kolossale Blamage für die Reformer unter den Neuphilologen sehen. Ich schäme mich vor den Engländern, dass auf dem Titel die Namen von deutschen Professoren und Oberlehrern stehen. Jena.

Wolfgang Keller.

Morgan Callaway: The appositive participle in Anglo-Saxon.

Reprinted from the publications of the Modern language association of America, vol. XVI, no. 2. Baltimore 1901.

Callaway beginnt naturgemäls mit einer Definition des Begriffes: appositives Participium. Er gewinnt diese Definition zunächst aus einer Gesamteinteilung der Participien, in der sich das app. Ptc. den abhängigen, nicht-prädikativischen Participien unterordnet. Ein Ptc. ist nicht-prädikativisch, wenn es nicht durch das Hilfsmittel eines Verbums mit seinem Subjekt verbunden ist; es ist appositiv, wenn der Zusammenhang zwischen dem Participium und seinem Hauptworte ein so loser ist, dass beide zwei voneinander unabhängige Begriffe darzustellen scheinen', Z. B. Luk. 1, 74: đat ce butam ege of ura Leonda handa algsede him đeowian = ut sine timore, de manu ... liberati, serviamus illi. Das app. Ptc. entspricht so wohl Relativ-, als auch Adverbialsätzen. Es erscheint bei weitem am häufigsten im Nominativ, und zwar unflektiert. Die vorkommenden flektierten Formen gehören fast ausnahmslos der starken Flexion an. Seiner Stellung nach folgt es in der Regel dem regierenden Hauptworte.

Das erste Kapitel, das umfangreichste des Buches, enthält die Belegsammlung für das Vorkommen des app. Ptc. im Ags., im ganzen 3010 Fälle des app. Ptc. Præs. und Perf. Das Material ist mit ausreichender Vollständigkeit der gesamten ae. Litteratur, Prosa und Dichtung entnommen. Nicht berücksichtigt sind die Glossen, einige selten gewordene Drucke von geringerem Umfange, eine Anzahl von Texten, die in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht wurden, schliesslich einige Werke von grösserem Umfange, die erschienen, als Callaways Studie bereits im Drucke war, so Skeats Ausgabe von Ælfric's Lives of saints, vol. IV, und die Dialoge Gregors. Ich halte es jedoch für unwahrscheinlich, dass durch die Ausbeutung dieser Werke Callaways Ergebnisse wesent

« VorigeDoorgaan »