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Doch kehren wir wieder zu dem Inhalt unseres Fragmentes zurück! Ich glaube, wir müssen James beistimmen, wenn er sagt, das Textstück mache den Eindruck, aus einem grösseren Ganzen genommen zu sein. Sehr wohl könne es aus dem Anfange jener apokryphen 'Busse des Jamnes und Mambres' stammen. Der erste Satz freilich sei offenbar nur ein Auszug aus einer längeren Einleitung, in der wir etwas über die handelnden Personen, über das Erscheinen des citierten Toten und über eine Frage des Mambres, welche die folgende Antwort des Bruders vorauszusetzen scheint, erwarten sollten. Die Rede des Jamnes mag dagegen sehr wohl den ursprünglichen Wortlaut der Apokryphe wiedergeben. Das Latein, in dem sie auftritt, ist, wie wohl bei allen jenen Pseudepigraphen, nicht die Originalsprache. Es ist daher interessant zu sehen, wie James die griechische Vorlage noch aus einigen Ausdrücken des lateinischen Ubersetzers heraushört, so aus de medio (= ix uésov), conbustio und nihil est boni nisi tristitia.

Dass den Angelsachsen die Apokryphe von Jamnes und Mambres gut bekannt war, lehren zwei weitere Anspielungen auf sie in altenglischen Werken. Auf die erste dieser Stellen hat bereits Cockayne S. 80 hingewiesen. In König Ælfreds Zusätzen zu seiner Orosius - Version (I, 7) heisst es nämlich: Pa bat gesanoon Da Egypte, hay đa get"/medom una dogas, Geames ond Mambres, ond getruwedon mid hyra dry-croftum þæt hi on đome ilcan tieg feam meathtam. Đa bị đa on a ben scefærelde waron, þa gedufon hi ealle ond adruncon (ed. Sweet S. 38). Wir haben hier also einen anderen Teil der Sage vor uns, welcher uns von der Beihilfe der beiden Zauberer an dem Zuge der Ägypter durch das Rote Meer berichtet. Dieselbe Überlieferung kennt die jüdische Tradition; doch hat König Ælfred selbstverständlich hier ebensowenig direkt aus den Talmudisten geschöpft 2 wie etwa der Verfasser des altengl. Martyrologiums.

Die zweite Stelle, in Ælfries interessanter Homilie De auguriis (ed. Skeat, Lives of Saints I, S. 372, Z. 113–117), ist nicht ganz

· Die Quelle sagt nur: obruta est et interfecta cum rege suo universa Aegypti multitudo.

2 Vgl. L. Ginzberg, Die Haggada bei den Kirchenvätern (Heidelberger Diss.). Amsterdam 1899.

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so sicher für die angelsächsische Kirche in Anspruch zu nehmen, at p . da wir leider über Ælfrics eventuelle Quellen zu dieser Homilie, museli nichts wissen und also nicht sagen können, ob dem englischen 651524. Abte oder seiner lateinischen Vorlage die Anspielung angehört. Immerhin scheint mir das erstere wahrscheinlich. Die Stelle lautet: Fela sædon þa dry-men þurh deofles cræft, Iamnes2 and Mambres, swa swa Moyses awrat, and hi Pharao forlærdon mid heora lotwrencum, ođđæt he adrancon đære deopan .

Ælfric weicht also etwas von Ælfred ab: während dieser die Agypter die Initiative ergreifen und sich der Zauberkünste der beiden Magier bedienen lässt, sagt Ælfric (oder seine Quelle ?), dass umgekehrt die Zauberer den Pharao zur Verfolgung aufreizten, so dass er im Roten Meere umkam. Sonderbar ist aber, dass dies bei Moyse stehen soll.

Dass gerade die irisch-angelsächsische Kirche, die bei ihrer räumlichen Entfernung von Rom allzeit einen nationalen, selbständigen Zug gezeigt hat, eine fast verschollene Apokryphe bewahrt hat, ist nicht zu verwundern. Fehlt es doch nicht an Beweisen, dass die irisch-angelsächsische Kirche eine besondere Vorliebe für diesen Litteraturzweig gehabt hat. James weist darauf hin, dass eine Form der Vita Adae et Evae 3 in dem irischen Saltair na Rann benutzt ist, und dass der altenglische Dialog

• Ælfric beruft sich Z. 67 auf Augustinus und führt dessen Worte in direkter Rede an. Leider sind dieselben aber weder bei Augustin noch sonst irgendwo nachgewiesen worden, so dass wir nicht sagen können, wo die wörtliche Anführung der Quelle aufhört. Dass die ganze folgende Homilie Augustin zuzuschreiben sei, halte ich für höchst unwahrscheinlich, da die vielen darin erwähnten Zaubergebräuche einen durchaus germanischen Charakter tragen. Dass eine Handschrift dem Ganzen den Titel Sermo sancto (sic!] Augustini de auguriis giebt, beweist natürlich gar nichts. Zudem lief auch in der angelsächsischen Kirche vieles unter dem Namen des grossen Kirchenlehrers um, was nachweislich nicht von ihm ist. So wird am Schlusse der Cambridger Handschrift des ae. Cato eine Art Menenius-Fabel dem h. Augustinus in den Mund gelegt, die nach liebenswürdiger Auskunft des grossen Augustin - Kenners, P. Odilo Rottmanner, sich bestimmt nicht in den echten augustinischen Schriften findet. Vgl. übrigens auch meine Bemerkung in der Anglia XVI, S. 38 Anm. 1.

? Die Julius-Hs. liest lammes (vgl. Ælfreds Form oben).

3 Eine englische Übersetzung der Vita Adae findet sich im Trin. Coll. Cambr. R. III. 21, fol. 219—257 (15. Jahrh.) nach James' Katalog.

zwischen Salomon und Saturn möglicherweise aus der Contradictio Solomonis, die das Gelasianische Dekret verdammte, geschöpft ist. Ich möchte hinzufügen, dass die unter Abdias' Namen laufende Sammlung apokrypher Apostellegenden sowohl in irischer (ed. Atkinson, Dublin 1887) als in altenglischer Sprache (in Ælfrics Homilies, ed. Thorpe) in England verbreitet war, dass das Evangelium Pseudo-Matthaei (ed. Alsmann S. 117 ff.), die Vindicta Salvatoris (ed. Assmann S. 181 ff.), das Evangelium Nicodemi (ed. Hulme 1898), lauter neutestamentliche Apokryphen, in altenglische Prosa übertragen sind, dass die Visio Pauli von einem altenglischen Homileten stark benutzt ist (s. Archiv XCI, 183 ff. und CIII, 169), und dass der Descensus Christi ad inferos nach Ausweis der 7. Blickling - Homilie, Christ und Satan V. 437 ff., Christi Höllenfahrt V. 84 ff. und des ae. Martyrologiums (zum 26. März) den Angelsachsen in einer Fassung vorgelegen hat, die bisher noch nicht aufgefunden ist.

Der Schluss des Jamesschen Aufsatzes eröffnet uns noch ein paar interessante Ausblicke. Die allgemeine Ähnlichkeit der Lage und zwei Anspielungen auf Jannes und Mambres in der Confessio seu Poenitentia S. Cypriani machen es nicht unwahrscheinlich, dass unsere Poenitentia Jannis et Mambris das Vorbild für die Bekehrung des Zauberers Cyprian gewesen ist.

Schade darum, dass jene 'Bekehrung des Jamnes und Mambres' dem kirchlichen Eifer hat zum Opfer fallen müssen. Denn sonst würde sie wohl in der Geschichte der Weltlitteratur einen Grundpfeiler bilden, von dem sich Fäden, die wir heute leider nur noch ahnen können, hinüberspinnen zu zwei der unvergleichlichsten Schöpfungen menschlichen Geistes: Dantes Höllenvisionen und Goethes Faustdichtung. Würzburg

Max Förster.

Nachtrag. Bei der Verwandlung der ägyptischen Gewässer in Blut erscheinen beide Magier auch in der frühmittelengl. Vers-Paraphrase von "Genesis & Exodus' (um 1250): Iannes and Mambres, wiches wod (V. 2959), hier jedoch sicher aus der lat. Vorlage, Petrus Comestor's Historia scholastica, geschöpft, wo es im Exodus-Kommentar cap. XIV heisst: Feceruntque similiter magi Iannes et Mambres.

M. F.

Lydgates “Vowes of Pecok”.

Romo flees of gojnightes, grotether highị

In einem der kleineren strophischen Gedichte Lydgates, dessen Hauptthema die Vergänglichkeit aller irdischen Macht und Pracht ist, und das deshalb von Halliwell den Titel ‘On the Mutability of Human Affairs'1 erhalten hat, lautet die zwölfte Strophe:

Where ben of Fraunce all the dozepiere,
Which in Gaule had the governaunce;
Vowis of pecok, with all ther proude chere;
The worthy nyne, with all ther high bobbaunce;
[The] Troyan knightes, grettest of allyaunce;
The flees of golde conquerid in Colchos;
Rome and Cartage, most soverayn of puissaunce?

All stant on chaunge like a mydsomer rose (p. 25). Derselbe Ausdruck steht auch in einem noch nicht gedruckten Gedichte des Mönches: ‘A Ditty, in the praise of Peace; written after the Death of our King Henry V', über welches Gedicht Näheres in dem A. f. D. A. XXIV p. 52 zu lesen ist. Die zwanzigste Strophe dieses Gedichtes enthält eine Aufzählung der berühmtesten Kriege, Lydgate gedenkt des trojanischen und thebanischen Krieges und der Züge Alexanders und schliesst:

Vowes of the pecok, the frenssh makith mencioun,

Pryde of the werrys, moost contrary unto pees. Da mir selbst die in den Worten Vowes of (the) pecok liegende Anspielung längere Zeit nicht verständlich war, darf ich vielleicht annehmen, dass es auch dem einen oder dem anderen der Fachgenossen nicht unangenehm ist, wenn ich zur Erklärung bemerke, dass Lydgate dabei zweifellos an eine 1312/13 zum

*Cf. Minor Poems (Percy Soc. vol. II) p. 22 ff.

ebenen D: Landschrifteef du da

Abschluss gebrachte epische Dichtung des Franzosen Jacques de Longuyon gedacht hat, eine Fortsetzung der Alexanderfabeln des Mittelalters, betitelt Voeux du paon'.' Über den Inhalt dieser in vielen Handschriften überlieferten, aber noch nicht herausgegebenen Dichtung können wir uns weder in Paul Meyers Alexanderbuch noch auch in einer der neueren Darstellungen der altfranzösischen Litteraturgeschichte belehren, wir sind heute noch auf die Mitteilungen der beiden englischen Forscher beschränkt, auf welche vor mehreren Jahren Albert Herrmann hingewiesen hat:2 auf Henry Wards knappe Inhaltsangabe der Longuyonschen Dichtung in seinem reichhaltigen 'Catalogue of Romances' und auf Henry Webers Analyse des schottischen Alexanderbuches in seinen ‘Metrical Romances'. Für unsere Zwecke genügt ein kurzer Auszug aus Wards Analyse.

Die Handlung des altfranzösischen Epos spielt sich zum grössten Teil in und vor der Stadt Phezon ab, welche von Clarvus li yndois belagert und von Alexander unterstützt wird. Bei einem festlichen Mahle, dessen Hauptgericht ein von dem gefangenen Porrus, einem Sohne des Clarvus, geschossener Pfau ist, überbieten sich die Helden der Stadt und ihre ritterlichen Gefangenen in Gelübden betreffs der noch von ihnen geplanten Thaten. Wards Mitteilungen über diese Episode der Pfauengelübde, welche dem Gedicht seinen Titel gegeben hat, lauten: Porrus shoots the peacock; it is served up at table, and Cassamus calls on all the knights to make their vows upon it. “Elyot a damsel of high degree ... carries it round; the vows are made, and the peacock is eaten (1. c. I p. 147). Der Bericht über die Ausführung dieser verschiedenen Pfauengelübde füllt einen grossen Teil des Gedichtes, welches mit dem Entsatz der Stadt und vielen Hochzeiten schliesst.

Über die Sitte, beim Verspeisen des Pfaus derartige Gelübde zu thun, bemerkt Paul Meyer: Le paon était considéré comme étant proprement la viande des preus'. L'usage de prononcer

1 Vgl. über dieses noch nicht gedruckte Gedicht die kurzen Bemerkungen bei Gaston Paris "La Littérature française au moyen âge' $ 44; Gröber, Grundriss $ 181.

2 Vgl. ‘Untersuchungen über das schottische Alexanderbuch' (Berlin 1893) p. 8, 16. Der seltene Bannatyne-Druck dieser schottischen Version ist mir nicht zugänglich.

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