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des Jahres 496 unter Papst Gelasius I. proklamiert worden ist: Item liber qui appellatur Poenitentia Janne et Mambre apocryphus (ed. Preuschen, Analecta 147 ff.). Eine dritte Stelle endlich in jener anonymen Kommentarien-Serie zu den Paulinischen Briefen, welche bald nach 382 in Italien verfasst und unter dem Namen des ‘Ambrosiaster bekannt ist, betont zwar nicht ausdrücklich, dass es sich um ein selbständiges Werk handelt, ist uns aber deswegen wertvoll, weil sie uns den Inhalt der dem Ambrosiaster bekannten Apokryphe skizziert, zwar nur mit wenigen Strichen, doch deutlich genug, um uns erkennen zu lassen, dass auch jener Anonymus ein Werk über die Bekehrung der beiden Magier vor sich hatte, also wahrscheinlich dasselbe, welches ein Jahrhundert später das Gelasianum verdammte: Exemplum hoc de apocryphis est. Jannes enim et Mambres fratres erant magi uel uenefici Aepyptiorum, qui arte magiae suae uirtutibus dei, quae per Moysen agebantur, aemulatione commenticia resistere se putabant. Sed cum Moysis uirtus in operibus cresceret, humiles facti, confessi sunt cum dolore uulnerum deum in Moyse operatum (Migne's Patr. lat. XVII, col. 494).

Neuerdings hat nun M. R. James, der eifrige Förderer unserer Apokryphen-Kenntnis, in dem eben gegründeten "Journal of Theological Studies', London 1901, Vol. II, S. 572–577: A Fragment of the Penitence of Jannes and Mambres ? einen neuen, bisher übersehenen Beleg beigebracht und den Nachweis versucht, dass wir darin vermutlich ein Fragment jener sonst verschollenen Apokryphe erhalten haben. Es handelt sich hier um ein kleines Textstück, das schon lange gedruckt vorlag, für die Theologie aber in Cockaynes Narratiunculae Anglice conscriptae (London 1861) vergraben lag, während die Philologie es zwar buchte (s. Wülkers Grundriss S. 495), aber mit dem sonderbaren Inhalte wenig anzufangen wusste. Mr. James gebührt daher dop

1 Eine weitere Stelle aus Origenes (in Matth. tract. 26), die R. James statt des Ambrosiaster anführt, beweist an sich nichts für die Existenz eines besonderen Buches, sondern sagt nur, dass sich die Geschichte (historia) von Jannes und Mambres nicht in den kanonischen Schriften finde.

? Prof. E. Nestle hat in liebenswürdiger Weise mich auf diesen Aufsatz aufmerksam gemacht.

pelter Dank, da er zugleich uns Anglisten einen grossen Dienst geleistet, indem er über das auch in philologischer Hinsicht interessante Denkmal Licht verbreitet hat. Ein kurzer Bericht über James' lehrreichen Aufsatz dürfte unter diesen Umständen den Fachgenossen nicht unwillkommen sein, wenigstens denjenigen, deren Durst nach allseitigem Erfassen mittelalterlichen Lebens sich nicht an den Königspalästen genügen lässt, sondern sie forttreibt, hinabzusteigen auch zu den Hütten der Armen.

Das Fragment ist nur in einer einzigen Handschrift erhalten, einem Sammelbande der Cottoniana, Tiberius B. V, wo es auf die sogen. "Wunder des Orients' folgt und den grössten Teil von fol. 87a einnimmt. Der Text ist in zwei Kolumnen in einer Hand des 11. Jahrhunderts geschrieben, die ersten 15 Zeilen auf col. a, die übrigen 25 auf col. b. Gegen den äusseren Rand hin ist das Pergament von Blatt 87 stark. durch kleine Löcher und Risse beschädigt, so dass der Text in seinem zweiten Teile, von der 4. bis zur 19. Zeile, mit nur zwei Ausnahmen kleine Lücken nach dem Zeilenende zu aufweist, die in der Regel zwei bis drei, höchstens fünf Buchstaben umfassen. Oben links auf derselben Seite steht ein kleines Bild, welches 'two nude men standing among rocks and conversing (James), möglicherweise den Jamnes und Mambres darstellt. 1 Die ganze Rückseite von fol. 87 füllt

'James verweist auf die Möglichkeit, dass dieses Bild noch zur vorhergehenden Seite zu ziehen sei und jenen mons illustriere, ubi sunt homines nigri, ad quos nemo accedere potest, quia ipse mons ardet. Aber dann müsste der Illuminator seinen Text nicht sehr genau gelesen haben; denn seine Menschen sind nicht schwarz, sondern fleischfarben, wenngleich auch die Farbe, wohl infolge chemischer Zersetzung, bis auf den noch fleischfarbenen linken Arm des einen jetzt eine graue, aschfahle Schattierung angenommen hat. Auch das Feuer auf den Bergen, ein beliebtes Höllenrequisit und darum eine Force der mittelalterlichen Buchmaler, würde er sich schwerlich haben entgehen lassen. Freilich frägt sich, ob er nicht durch das eigentümliche Rosa, mit dem er die Berge gemalt hat, das Brennen derselben hat darstellen wollen. Vielleicht wäre die Frage zu entscheiden durch ein genaues Studium der übrigen Bilder der Handschrift und der vom Illuminator verwendeten Farben, wobei allerdings die chemische Seite wie überhaupt die mittelalterliche Farben bereitung nicht vernachlässigt werden dürfte; Material dazu böten die vielfach erhaltenen alten Recepte für Farben bereitung (z. B. im Douce-Ms. 45; Hunterian-Ms.; Sloane 1313 [ed. Halliwell, Rel. Ant. I, 108]).

Archiv f. n. Sprachen. CVIII.

eine zweite Illustration zu unserer Apokryphe, die James folgendermassen beschreibt: It represents Mambres standing on a mountain and holding an open book, face outwards, to which he points. The mountain has opened, and in its cleft we see Hell. A gigantic figure covered with tufts of hair, and with clawed hands, is clutching souls and drawing them into his mouth. Other devils and souls bound with serpents and one lying under a huge stone fill up the rest of the field.

Wie die vorhergehenden Wunder des Orients' besteht auch das Apokryphen-Fragment aus Abschnitten in lateinischer Sprache, denen jedesmal eine sehr wörtliche altenglische Übersetzung beigegeben ist. Der erste Herausgeber, Cockayne, hat beides voneinander getrennt und den lateinischen Text auf S. 67, den altenglischen auf S. 50 seiner Narratiunculae abgedruckt. Die Lücken hat Cockayne im lateinischen Texte beibehalten, im altenglischen dagegen auszufüllen versucht, wobei er wohl an zwei Stellen nicht ganz das richtige getroffen hat. Die Abkürzungen sind nach damaligem Brauche stillschweigend aufgelöst. In dem oben erwähnten ufsatze bietet uns James einen neuen Abdruck des Fragmentes, welcher genau der Handschrift folgt, sogar die Zeilentrennung? angiebt, die handschriftliche Interpunktion und Verteilung der Kapitale beibehält und die Abkürzungen durch Kursivdruck kenntlich macht. 2 Die Lücken füllt James auch im lateinischen Teile aus; im altenglischen folgt er darin ganz Cockayne. Beide weichen nun in ihren Angaben über die Lesbarkeit einzelner Buchstaben mehrfach voneinander ab, was zum Teil auf Druck- oder Lesefehlern beruhen mag, zum Teil aber auch darin seinen Grund haben wird, dass James nicht nach der Handschrift selbst, sondern nach einer Photographie des Blattes druckte, die wahrscheinlich, wie sich schon öfter gezeigt hat, nicht alles wiedergiebt, was man mit guten Augen im Original noch erkennen kann. Ich wandte mich daher an das Britische Museum, wo ich von Herrn J. A. Herbert eine ungemein sorgfältige Kollation und eine genaue Nachzeichnung der beschädigten Stellen erhielt, für die ihm auch hier gedankt sei. Auf Grund dieser

· Nur col. b, Z. 18/19 vergessen: die Zeile schliesst mit lif[e].
2 Nur bei et ist dies stets unterblieben.

Angaben biete ich hier einen nochmaligen Abdruck des Fragmentes, der sich für den deutschen Philologen schon durch die schwere Zugänglichkeit der beiden früheren rechtfertigen mag. Ich habe dabei die Abkürzungen in Kursivdruck aufgelöst, die Setzung der Kapitale geregelt und eine moderne Interpunktion eingeführt. Die Lücken habe ich sämtlich auszufüllen versucht, wobei alle nicht völlig erhaltenen Buchstaben in eckige Klammern eingeschlossen sind, und zwar innerhalb der Klammern Buchstaben, von denen noch Teile sichtbar sind, in Antiqua, solche, von denen keine Spur mehr vorhanden ist, in Kursiv gedruckt. Nur in ein paar Fällen, wo die Beschädigung so gering ist, dass über die Identität des Buchstabens nicht der geringste Zweifel bestehen kann, sind leicht beschädigte Buchstaben nicht in die Klammern einbezogen worden. Unter dem Texte sind aber alle Beschädigungen, auch die leisesten, vermerkt worden. In den wenigen Fällen, in denen ich mir eine kleine Korrektur des Textes erlaubt habe, verweist ein Stern auf den VariantenApparat, in welchen ich der Kontrolle halber auch alle abweichenden Lesungen Cockaynes und James' aufgenommen sowie die Urheber jeder Konjektur verzeichnet habe.

5

Aperuit Mambres libros magicos * fratris 1 sui Iamnis et fecit nicromantiam et eduxit ab inferis idolum * fratris 2 sui.

Her segđ, hu Mambres ontynde a drylican bec his breler Iamnes and him geopenude þa heagorune đæs deofelgildes his brođur.

Respondit ei anima *Iamnis 3 dicens: Ego frater tuus non iniuste mortuus sum, sed uere iuste, et ibit 4 aduersum me iudicium, quoniam 5 sapientior eram omnium sapientium magorum. Et astiti duobus fratribus 6 Moysi et Aaron, qui fecerunt signa et prodigia magna. Propter hoc mortuus sum, et deductus sum de 7 medio ad 10 inferos, ubi est conbustio 8 magna et lacus perditionis, 9 unde non est ascensus. Et nunc, frater (col. 6] mi Mambre, adtende tibi in uita tua, ut benefacias filiis tuis et amicis; apud inferos enim nihil est boni nisi tristitia et tenebre. Et postquam mortuus fueris et

1-2 fratres Hs. J, fratres sl. fratris) C. 3 iamnes Hs. CJ. 4 'It is probable that ibit is a mistake for iuit: all the other verbs in the sentence are in past tense. Yet it is not necessarily a mistake, for the reference may be to the judgment at the last day' James. 5 quum C, quoniam J. fratribus Í. e C. $ combustio Č. 9 perditionis J.

15 u[eneri]s a[d in]feros, 10 inter mortuos fuerit abitat[io] tsua bi]nis 11 lata cubitis et longa cubitis quattu[or). 12

Andswarode him Iamnes saul þyssum 13 w[ord]um: 14 þu brođor, ic naht unrihtlice eom dead, 15 ac sodlice and rihtlice ic eom dead,

and Godes [do]m 16 wiđ me standeđ, for-pam-đe 17 ic wæs ana 20 s[notjera 18 ponne ealle ođre dryas and ic wiđstod 19 t[wam 20 gebro

đrum, Moyses hatte and A áron, þa worhtan đa micclan tacna and forebeac[n].21 Forban ic eom dead and forbam ic eom geledd 22 on helwara rice mid, þær is seo miccle [bær]nys 23 þæs ecan wites and

þær is se seađ þæs sing[ales] 24 susles, þanon ne byd ænig upp adon. 25 Nu, (min) 25 brođer Mambre, beheald þe on þinum lifse), 26 þæt đu 27

do wel þinum bearnum and þinum freon[d]um, 28 forban-þe on helle

10 & u:::::sadinsferos Hs., der Fuss des kontinentalen s und des a leicht beschädigt; untere Hälfte von d und in fortgerissen; .......... feros C; et (eris apud inferos J, doch bemerkt er selbst: “whether the lost words were eris apud or ueneris ad, I do not feel sure. The latter is rather closer to the Anglo-Saxon." 11 abitat:o t:::::n' Hs., linke Seite von o beschädigt; das letzte Zeichen nicht recht klar, doch schwerlich ein x; am wahrscheinlichsten ein n mit folgendem Haken als Abkürzung für is; Herbert schlägt daher binis vor, eine glückliche Konjektur, wie mir scheint, die den Sinn befriedigt und genau zur altenglischen Übersetzung stimmt; abitat ........ C, abitastio tsua et sedes xx J, doch mit dem Zusatz: “The remains of the last letters of the line will not suit at all with the proper word, which is duobus, nor with the numeral sign ii. To my thinking they look like nothing so much as 'xx': and this gives a poor sense. If 'xx' was really the reading of the Latin, it was a wrong reading." Für die Ergänzung tsua et sedes ist nach Herbert nicht Raum genug in der Lücke vorhanden; zudem wäre ac. sealt 'Grube, Loch für lat. sedes eine recht auffallende Wiedergabe. Nach Herberts Ergänzung hätte der ae. Ubersetzer das Wort habitatio in zwei Begriffe gespalten, was aber in der alten Übersetzertechnik durchaus nichts Auffallendes ist. 2 quattuor C, quatu[or] J. 13 pyssum J. 11 w::dm Hs., Schleife von d fortgerissen; w[ordum C, usor dum J. 15 com dead mit Riss dahinter in Hs., com dead C, eolm dead] J. 16 godes d:m, rechte Hälfte von d? zerstört; godes [do]m C, goldes dolm J. 17 for pam pe C. 18 anasno:era Hs., rechter Fortsatz des insularen s sowie Kopf von na ganz leicht beschädigt, rechte Hälfte von o fortgerissen; ana slicera [?] C, ano[slic?lera J. 19 widstode J. 20 tw:: Hs., Schleife der u-Rune abgerissen ; t[wam CJ. 21 forebeac: Hs., forebeac[n] C, forebea[en] J. 2 geledd Hs., ein schmaler Riss geht zwischen 1 und e hindurch, welcher infolge Zusammenkrumpeln des Pergaments ein Herabrutschen der Silbe edd veranlasst hat. Ob der Rils vielleicht einen Buchstabenteil vor e mit fortgenommen hat, und dies e das Überbleibsel von « ist? ge [ledd C, ge[le]dd J. 23 miccle 1:::ys IIs., ganze untere Hälfte des b fortgerissen; für ein zweites n ist kein Platz; zudem ist das Wort überall nur mit einfachem n überliefert, zu dessen Erklärung wohl besser Vereinfachung der Gemination (wie bei drunceness, forgifeness, frigeness, vgl. Sievers 3 S 231, 4; Cosijn, Aws. Gramm. I, S. 188) anzunehmen ist als ein Nachhall der ursprünglichen Suffixform -assu- (Kluge, Stammb. § 137; Wilmanns, Deutsche Gramm. II, S 270); miccle (byrnnys C; miccl[e byrn]nys J. 24 sing:::: Hs., singsales CJ. 25 Nur :: Hs., nach u noch der erste Grundstrich von m sichtbar; Nu [min CJ. 20 lif: Hs., lifle] CJ. 27 þu C. 28 freon:ű Hs., rechte untere Hälfte von n fortgerissen; freon[d \um C, freo[nd]um J.

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