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sterlied von Michael Lorentz, ‘Der Drometer im Bachofen' (1536) und viele andere, 8. Köhler, Kl. Schr. 2, 594—600, dazu noch "Der lustige Jurist', Bremen 1730, S. 130 ff.).

Ein andermal prügelt er den Liebhaber, der als Geist allnächtlich durch die durchbrochene Wand zur Frau des geängstigten Tuchmachers kommt (143 ff.). Zwei Motive sind hier vereinigt. Das eine: der "Liebhaber als Gespenst entstammt dem Märchenkreise 'Von einem, der auszog das Fürchten zu lernen'. Grimm KHM. Nr. 4; Gonzen bach, Sicilian. Märchen Nr. 57; Köhler-Bolte, Zs. d. Ver. f. Volkskunde 6, 163; Köhler Kl. Schr. 1, 68, 110, 268; endlich ‘Der lustige Jurist' 217 f., wo ein Hausknecht, als Gespenst verkleidet, alle Gäste schreckt, um den Wirt einzuschüchtern und die Hand seiner Tochter zu erhalten. Das andere, die ‘Durchbrochene Wand' ist eine Umformung des weitverbreiteten Schwankes vom ‘unterirdischen Gang des Liebhabers', der von Plautus bis Kotzebue und Platen immer wieder gewendet und verwendet worden ist. Litteratur bei Zarncke, ‘Parallelen zur Entführungsgeschichte im Miles gloriosus'. Rhein. Museum für Phil. 39, 1-26; Bolte, Wetzel Reisen der Söhne Giaffers (Bibl. d. litt. Ver. 208) 219; Zs. f. vgl. Lg. 13, 234, Jellinek ebenda, 14, 321.

Wie Weise im Kap. 21 seines vorbildlichen Buches eine Liste von Tractätgen, Happel im Akademischen Roman S. 476 ff. ein Verzeichnis fingierter Büchertitel, so giebt auch Kuhnau (Kap. 22) einen satirischen Katalog rarer Bücher und Manuskripte, damit ein Mode aus dem ersten Buche des Don Quixote (Kap. 6) wiederholend, die die ungemein weite Verbreitung gefunden hat, z. B. “Catalogus etlicher sehr alten Bücher, welche neulich in Irrland auf einem alten eroberten Schlosse in einer Bibliothek gefunden worden. 1649'; “Verzeichnis unterschiedlicher dem Publico sehr nützlicher mit Fleiss ausgearbeiteter Bücher, welche der Author derselben in dieser Leipziger Ostermesse Anno 1716 denen Herren Buchhandlungen zum Verlag offeriret ... 1716'; (Wohlrab) 'Catalogus von den raresten Büchern wie Manuscripten, welche bisher in d. Historia Litteraria noch nicht zum Vorschein kommen; nun aber nebst einem ziemlichen Vorrath von allerhand fürtrefflichen Antiquitäten ... verkaufft werden sollen. Frankfurth und Leipzig 1720'; ‘Verzeichnis einiger theatralischer Seltenheiten, die in der Ostermesse ohnentgeltlich werden gezeigt werden', enthalten in : ‘Poesie wie Prosa zur Rettung der Ehre des Leipziger Schauplatzes 1753' (Minor, Weisse 389); "Catalogus von allerhand putz- und brauchbaren Meubles ... auch Büchern, welche .. am 12. Juli 1753 gegen gleich baare Bezahlung verauctionnirt werden sollen ... Leipzig 1753' (Minor a. a. 0. 392); 'Karl Friedrich Wegener, Raritäten, ein hinterlassenes Werk des Küsters von Rummelsburg. Berlin, 1779. IV, S. 89—100'; derselbe, ‘Vorschlag zu einer Lesebibliothek für junge Frauenzimmer. 1780.' (Neu herausgeg. von Hugo Hayn, Leipzig 1889); Raritäten oder satyrische Aufsätze und lustige Betrachtungen. Grätz, 1792, II, 8. 23 ff.; 'Lichtenberg, Verzeichnis einer Sammlung von Geräthschaften, welche in dem Hause des Lic. H. S. künftige Woche öffentlich verauctionnir et werden sollen. (Nach dem Englischen), Göttinger Taschen

kalender 1798, S. 154–169.' (Schriften 1845. 6,162—173); Justinus Kerner, Reiseschatten, Tübingen 1811, S. 213 f. (Gaismaier, Zs. f. vgl. Lg. 14, 96 A 2); Grillparzer, Auszüge aus dem nächstjährigen Messkatalog' 1837. (Werke XIIIS 163–164.) Weiteres bei Brunet,''Essai sur les bibliothèques imaginaires' in: Lacroix, Cat. de la bibliothèque de Saint Victor - Paris 1862 und besonders H. Hayn, 'Bibliographie der Bücher mit fingierten Titeln': Zeitschr. f. Bücherfreunde 3, S. 84-90.

Endlich fehlt auch des 'Hundes Grabschrift nicht (173, 35 ff.), vgl. Waldberg, Renaissancelyrik 211 f. und E. Schmidt, Archiv 99, 1–5.

Sprichwörter, studentische und volkstümliche Wendungen durchsetzen die Darstellung; seltener scheinen darunter zu sein etwa 103, 15, 'seinen Dreyheller mit dazu geben', unserem Senf dazu geben' (Körte, Sprichwörter 5539; Braun 1, 4088; Eichwald, Niederd. Sprw. 1714) entsprechend.

-- 179, 29 'es ist gedruckt, ergo muss es wahr sein.' Wander VI, 1744 Nr. 40 ohne weitere Quelle.

28, 5 ‘mit dem gebogenen blossen Hinter Gesichte die Ruthe küssen'; über Ruthe küssen: DWB 8, 1561; Rochholz, Aleman. Kinderlied 513 f., Germania 1, 134–55, 516; Ilow, ebenda 9, 158 f. Böhme, Kinderlied Nr. 469.

55, 13 Es ist ein angelegter Karren’ ein abgeredeter Handel. DWB V, 227^, Wander II, 1148 Nr. 64, 74.

215, 2 'blase mir eine warme Pfeiffe' fehlt DWB; bei Wander I, 393 Nr. 23, 24 blusst a ee woarm Luch', 'blust mer a mee woarm Loach'.

167, 18 'Er lief so geschwind, als die Schuster, wenn sie den Markt versäumt haben'. • 173, 15 f. 'Ettliche waren grobe Kerle, die nur auf der Wurst herumritten, und so lange in sich füllten als ein Darm halten wollte' und 17,4 "Wurst Reuter'.

154, 30 Gleichwohl ist der Sechzehn - Hut kaum zum Balgentreten gut. Obwohl ‘Sechzehnhut auch die verschämte Umschreibung eines obscönen Schimpfwortes ist, wie der häufigere ‘Fünfzehnhut', den noch Goethe im Personen verzeichnis zu Hanswursts Hochzeit 'Fozzenhut' nennt; vgl. Erich Schmidt, Zs. d. Ver. f. Volkskde. 5, 339 und Zs. f. d. Wortforsch. 2, 292. Wien.

Arthur L. Jellinek.

Johann Jakob Bodmer: Denkschrift zum 200. Geburtstag (19. Juli

1898). Veranlasst vom Lesezirkel Hottingen und herausgegeben von der Stiftung von Schnyder von Wartensee. Zürich, A. Müller, 1900. XII, 418 S. 4o. Mit vielen Abbildungen und Vignetten.

Zürich hat einem seiner bedeutendsten Männer mit diesem Buche ein schönes Denkmal gesetzt. Die Stadtbibliothek that ihre Schatzkästen auf; Private und litterarische Gesellschaften vereinten eine grosse Zahl von Bodmers Büchern, Manuskripten und Bildnissen zu einer Ausstellung in seinem Hause; die verschiedenen Richtungen, nach denen der schweizerische Litteraturpatriarch ein Interesse weckt, wurden in Einzeldarstellungen behandelt und diese durch die Freigebigkeit der Stiftung von Schnyder von Wartensee in einem prächtig ausgestatteten Bande gedruckt. Ein Bibliographie (von Th. Vetter) verzeichnet Bodmers zahlreiche Veröffentlichungen mit einer bisher nie erreichten Genauigkeit, und das Verzeichnis von Eigenpamen am Schluss zeigt die schriftstellernden Züricher des 18. Jahrhunderts in charakteristischer Mischung mit den zeitgenössischen Führern französischen und englischen Geistes. Das Werk ist mehr als eine Monographie: es ist eine Vergegenwärtigung von Bodmers Sphäre.

Hans und Hermann Bodmer, deren Name schon an den J. J. Bodmer der Litteraturgeschichte anklingt, eröffnen die Aufsätze mit einer Skizze seines Lebens. Sie berühren alle Hauptsachen, ohne sich irgendwo besonders aufzuhalten, wie in einer Ouverture. Hedwig Waser, deren Name an einen von Bodmers nächsten Freunden erinnert, schildert mit angenehmer Frische Bodmers Haus und seine Gastlichkeit. Otto Hunziker feiert Bodmer als Vater der Jünglinge, als begeisterten Erzieher, als Schüler Rousseaus und Lehrer Pestalozzis. Gustav Tobler unterwirft seine politischen Schauspiele einer sorgfältigen Untersuchung und weist darin heimische Stoffelemente, französisch-klassicistische Technik, biblische, altgriechische und Shakespearische Motive nach. Wenn Louis P. Betz Bodmers beträchtliche Kenntnis der französischen Sprache und Litteratur auseinanderbreitet, so hat dies für einen Mann des 18. Jahrhunderts nichts Auffallendes; dennoch sieht man mit Interesse, wie das Französische sogar alle Wege zu den Erzeugnissen anderer Völker beherrschte und durchaus das Medium für Bodmers erste Beziehungen zu England war. Neuartiger berührt es schon, in Leone Donatis Aufsatz ‘Bodmer und die italienische Litteratur zu lesen, wie Bodmer durch einen frühen Aufenthalt in Lugano (1718), durch die Lektüre italienischer Kritiker und durch den Verkehr mit dem Grafen Calepio zuerst in seinem Vertrauen auf den Geschmack Frankreichs erschüttert wurde, und wie er frühzeitig auf Dante hinwies; Bodmers bisher verschollener Artikel 'Über das dreifache Gedicht des Dante' (1763) wird hierbei vollständig zum Abdruck gebracht. Der wichtigste Beitrag aber scheint mir der von Theodor Vetter (Bodmer und die englische Litteratur'; schon weil Bodmer durch seine kritischen Hinweise auf die Londoner Schriftsteller, durch seine Übersetzungen von Milton, Butler, Swift und Addison, sowie durch seine Nachahmungen dieser Autoren mächtig dazu beitrug, dass sich der Deutsche mit englischer Hilfe wieder auf seine Natur besann. Der eigene mannhafte Charakter des Republikaners fühlte sich durch die Essays von Addison, selbst unter dem Schleier französischer Übersetzungen, so angezogen, dass er trotz vieler Schwierigkeiten Englisch lernte und mit Hilfe eines lateinischenglischen Wörterbuches selbst ans Verdeutschen ging. Die Vorkämpfer der liberalen Ideen jenseits des Kanals hat er bei uns eingeführt: den Tyrannenfeind Milton, den Zelotenverspötter Butler, den Scheinverächter Swift, den Volkserzieher Addison, die Kämpen des bürgerlichen Romans; auch an Percys 'Reliques' fand sein volkstümlicher Sinn noch Anhaltspunkte, während ihm allerdings die Royalisten Shakespeare und Ossian innerlich fremd blieben. Hätten sich die Hamburger allein um solchen englischen Import verdient gemacht, so könnte man ihn durch die lokale Nähe erklären; aber nach der Schweiz ging von London ein sehr weiter und indirekter Kaufmannsweg; da musste um so mehr eine Gemeinsamkeit der Überzeugung wirken, deren Wurzeln schon in der Reformationsperiode liegen, wo Zwinglis Gedanken von der Schweiz nach England wanderten. Bemerkenswert ist noch, dass Bodmer selbst mit englischen Dichtern vierten und fünften Ranges sich bekannt zeigt; dass er an seiner Übersetzung des Verlorenen Paradieses' von Auflage zu Auflage unermüdlich nachfeilte; dass auch die Philosophen Bacon und Locke von ihm gekannt und geschätzt waren. Seine Bezeichnung Saspar, Sasper, Saksper für Shakespeare hält Vetter nicht wie Elze für eine Umdeutschung, sondern für einen wenig glücklichen Versuch phonetischer Schreibung; dies ist um so wahrscheinlicher, wenn man sich vorstellt, wie das Wort im Munde eines französischen Vermittlers geklungen haben mag!

Im Anschluss an dies monumentale Bodmer-Werk sei noch eines ansprechenden "Neujahrblattes von der Stadtbibliothek in Zürich auf das Jahr 1898' (Zürich, Fäsi und Beer, 1898, 31 S. Fol.) gedacht, worin Bodmers Freund J. H. Waser, Diakon in Winterthur (1713–77), als ein Vermittler englischer Litteratur von Th. Vetter geschildert wird. Waser hatte die von Bodmer begonnene Übersetzung von Butlers komischem Heldengedicht Hudibras' vollendet, auch selbständig nach Addisons Muster Prosa, nach Gays Muster Verse geschrieben. So treten die Beziehungen zwischen der Schweiz und London besonders durch die Arbeiten Th. Vetters immer deutlicher ins Licht, und man kann nur wünschen, dass die vielen Beziehungen Strassburgs und Frankfurts a. M. zu England in der Reformationszeit, Hamburgs und Hannovers im 18. Jahrhundert ähnlich fleissige und kundige Lokalforscher finden mögen. Berlin,

A. Brandi.

Johannes Grundmann. Die geographischen und völkerkundlichen

Quellen und Anschauungen in Herders 'Ideen zur Geschichte der Menschheit. Berlin, Weidmannsche Buchhandlung, 1900. 139 S. 8°.

Der Verfasser untersucht mit gründlicher und vernünftiger Methode das Verhältnis der geographischen und völkerkundlichen Anschauungen Herders in seinen ‘Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit' zu ihren Quellen : der Titel, der Quellen und Anschauungen koordiniert, hätte wohl besser anders gelautet. Keiner, der die ‘Ideen' je gelesen hat, wird sich dem Eindruck der erstaunlichen Persönlichkeit verschliessen, die, auf der Höhe des Wissens ihrer Zeit stehend, das umfassendste Material in sich verarbeitet und in plan voller Komposition darlegt, der bewundernden Menschheit neue, noch lange nicht ans Ende verfolgte Wege weisend. Dass Herder kein klarer Denker und kritischer Kopf wie Kant' war, thut seiner Grösse keinen Eintrag: er hätte weniger leisten können in vorschauendem Ahnen, wäre er klar und kritisch gewesen. Darum scheint es mir aber ein vergeblicher Versuch, ihm auch diese Eigenschaften vindizieren zu wollen, wie Grundmann in begreiflicher Voreingenommenheit für seinen Helden thut: kritisch kann ich Herder in der Auswahl des von seinen verschiedenen Quellen gebotenen Materials durchaus nicht finden. Wo seine Quellen einander widersprechen, da wählt Herder nur selten nach der grösseren oder geringeren Glaubwürdigkeit des Gewährsmannes, sondern nach vorgefassten Anschauungen: die Nachricht oder Schilderung, die in sein System passt, wird bevorzugt. Darzustellen, wie weit Herders geographische Anschauungen und Ideen, insofern sie über seine Quellen hinausgingen, in späterer Zeit Bestätigung fanden oder nicht, das muss ich mir, so verlockend es sein mag, meiner Aufgabe gemäss, versagen, doch soll bei einigen wichtigeren Problemen in aller Kürze auf den heutigen Stand der Forschung hingewiesen werden'. Grundmann hätte sich besser auch in letzteren Fällen seine Ausführungen versagt; denn sie gehören zu den schwächsten Partien seiner trefflichen Abhandlung. "Neuere Forschungen haben das Vorhandensein eines dem Klima nicht entsprechenden Naturells der Eskimos bestätigt' (S. 36). Dann wird ein ziemlich phrasenhafter Satz aus Ratzels Völkerkunde citiert. Ist das wirklich der Stand der heutigen Forschung? Was versteht man denn unter 'entsprechen'? Der Himmel ist trübe', folglich müssen die Bewohner 'trübsinnig' sein? Man sollte meinen: je mehr sich der Bewohner dem Klima angepasst, je mehr er sich acclimatisiert hat, desto mehr 'entspricht sein Naturell dem Klima, desto weniger Ursache hat er aber auch zur Melancholie. Was bedeutet S. 58 ein herausgerissenes Wort eines einzelnen Forschers als abschliessendes Urteil über ein Volk, das noch ungeahnte Kräfte in sich birgt und vielleicht in den Gang der Weltereignisse entscheidend einzugreifen bestimmt ist? Wenn Grundmann Herders Tadel der Tibetanischen Schöpfungsgeschichten (S. 61) nicht recht begreiflich findet 'gegenüber einem Enthusiasmus für die indischen Fabeln, die doch viel Ähnlichkeit mit jenen zeigen', so scheint ihm der historische Zusammenhang zwischen beiden doch nicht recht klar geworden zu sein. Wenig fördern oberflächliche Bemerkungen über die Begründung der vergleichenden Sprachwissenschaft und das Alter der indischen Kultur (S. 65), über die Entstehung der indischen Priesterkaste (S. 70), über Autor und Alter der Zend-Avesta (S. 76), über die ägyptische Kunst (S. 82 f.), über die Entzifferung der Hieroglyphen durch Champollion (S. 84), über die Herkunft der Ägypter (S. 85) u. a. m. Einige Druckfehler vor allem in den lateinischen Citaten, wie in der Jahreszahl 1779 statt 1879 in der ersten Anmerkung S. 133, sind mir als störend aufgefallen. Bern.

S. Singer.

· Über das Verbältnis der beiden Männer vgl. noch A. Tumarkin, Herder und Kant. Bern 1896.

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