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Engländern, wie Matthew, Pollard, Poole, Sayle, in gemeinsamer Arbeit thätig waren. Hierdurch haben sich bisher namentlich für die staatsund kirchenrechtliche Stellung Wiclifs neue Gesichtspunkte ergeben, und über das Verhältnis des englischen Reformators zu Hus und Luther ist volle Klarheit geschaffen, zuletzt besonders durch die Arbeiten von Loserth, Studien zur kirchen politischen Stellung Englands im 14. Jahrh., Wien 1897, u. a., an die sich Hermann Fürstenau, Joh. von Wiclif, Berlin 1900, und auch H. W. Hoare, The Evolutions of the English Bible, London 1901, anschliessen. Die Sprache der englischen Werke in Lautlehre und Flexion ist durch Gassner (1891) und Fahrenberg (1891) untersucht worden. Das Verhältnis Wiclifs zu den zeitgenössischen Dichtern Langland und Chaucer wurde sodann berührt, und es wurden zum Schlusse die Gründe besprochen, welche den Misserfolg der reformatorischen Wirksamkeit Wiclifs bedingten, im Vergleich mit den Erfolgen der Reformatoren des 16. Jahrhunderts, besonders Luthers, dessen gewaltige, volkstümliche und poetische Persönlichkeit unter günstigeren Verhältnissen den Kampf gegen Rom wieder aufzunehmen und für weite Gebiete zum Siege zu führen vermochte.

Herr Brandl weist darauf hin, dass in der Wiener Bibliothek ein ganzer Saal der Wiclif-Litteratur gewidmet sei. Die Jesuiten hätten das grösste Verdienst an der Sammlung der vielen Handschriften gehabt, die sie in Böhmen gefunden hätten. Bei der Auflösung des Jesuiten-Ordens wären alle diese Handschriften nach Wien gekommen. Diese Fülle des Materials erschwert das Studium Wiclifs sehr; ebenso der Umstand, dass Wiclif fast nur Theologe war und keine Persönlichkeit, die durch eine warme poetische Ader hinreisst. Poetische Darstellungskraft und Temperament sind nur bei Langland zu finden, daher hat dieser eine grössere Wirkung ausgeübt als der klare, logische, zum Argumentieren geneigte Wiclif.

Herr Spies spricht mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit in abgekürzter Form über den Mirour de l'Omme, das lange verloren geglaubte, aber 1895 in einer unvollständigen Handschrift zu Cambridge wieder aufgefundene anglonormannische Werk John Gowers und die Ausgabe durch G. C. Macaulay. Der Mirour de l'Omme ist eine in zwölfzeiligen Strophen mit der Reimstellung a a b a ab bba bba angeordnete Dichtung; die Verse sind Achtsilbler und überaus glatt, doch wird die Glattheit nur mit Hilfe der Durchbrechung aller grammatischen Regeln erzielt. Der Mirour enthält in einer sich selten zu höherem Schwung erhebenden Darstellung eine Schilderung der Tugenden und Laster, eine Kritik der Schäden der Gesellschaft sowie ein Leben der Jungfrau Maria. Er ist somit hauptsächlich für die Litteratur- und Kulturgeschichte von Bedeutung, aber auch sprachlich von Interesse. – Die Ausgabe Macaulays (Oxford 1899) ist im wesentlichen ein diplomatischer Abdruck, der auf Zuverlässigkeit Anspruch erheben darf. Trotz einer umfangreichen Einleitung und zahlreichen Anmerkungen Macaulays bleibt aber noch vielerlei zu thun übrig, wie Referent im einzelnen ausführt. So ist die Quellenuntersuchung noch fast in ihrem ganzen Umfange zu leisten, ebenso hat sich Macaulay mit textkritischen Fragen sehr kurz abgefunden. Einige aus der Dichtung auf das Leben Gowers gezogene Schlüsse bedürfen der Korrektur. Im allgemeinen ist zu sagen, dass eine tiefergehende Forschung dem Mirour noch manches abgewinnen wird, was Macaulay entgangen ist. Trotzdem ist seine Ausgabe dankbar zu begrüssen. Im einzelnen mag auf die Besprechung Neue philologische Rundschau 1901 Nr. 12 verwiesen werden.

Die Herren Dr. Bohnstedt (Gross - Lichterfelde), Dr. Spatz und Dr. Sommer (Schöneberg) haben sich zum Eintritt in die Gesellschaft gemeldet. Archiv f. n. Sprachon. CVIII.

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Sitzung vom 24. September 1901. Herr Alfred Schulze berichtet im Anschluss an L. Delisle (Un troisième manuscrit de sermons de saint Bernard en français, Journal des savants 1900) über die dritte, unter den Schätzen des Musée Dobrée in Nantes aufgefundene Bernhard-Handschrift. Zwar handelt es sich nicht um ein bisher ganz unbekanntes Manuskript, aber doch um eines, das seit nahezu einem Jahrhundert verschollen war. Man wusste, dass ein die Ubersetzung der Predigten Bernhards über das Hohe Lied enthaltender Codex sich im Besitze Roqueforts befunden hatte und später von dem Genfer Bibliophilen Jean-Louis Bourdillon erworben worden war. Wie Delisle ausführt, ging der Bernhard-Codex von dort mit den meisten wertvollen Handschriften Bourdillons zwischen 1830 und 1847 in die Bibliothek des Marquis de Coislin über, kam 1857 für 2450 Fr. in die Hände des Herrn Guiraud de Savine, von dem ihn der Stifter des erwähnten Musée in Nantes, Herr Dobrée, erstand. Der der Schrift nach aus der Wende des 12. zum 13. Jahrhundert stammende Codex besteht aus 2:33 Pergamentblättern von 210 mm Höhe und 142 mm Breite und ist zweispaltig im Gegensatz zu den beiden bisher bekannten, dem Pariser und dem Berliner, die auf Langzeilen geschrieben sind. Auf den ersten 162 Blättern steht die Übersetzung von 44 Reden (es giebt deren 86) Bernhards über das Hohe Lied. Auf diese Reden folgt zunächst Bernhards Traktat über die Liebe Gottes, den er als Brief an den Kardinal Aimeri richtete, darauf zwei Bernhard nicht angehörige Stücke, eine Predigt über den 150. Psalm und eine über die hl. Magdalena; fol. 201-223 werden von den vier Reden de laudibus Virginis Matris eingenommen, und den Beschluss bilden wieder zwei anscheinend Bernhard fremde Stücke: eine Rede auf die hl. Agnes und endlich, auf fol. 229 beginnend, ein Traktat de la meditation, welch letzterer schon in der kurzen, von Delisle gegebenen Probe ganz den schwerfälligen Eindruck der Übersetzung macht, wohingegen die Predigt über die hl. Agnes nach einem kleinen ihr voraufgehenden Avis au lecteur von einem Zuhörer niedergeschrieben ist.

Delisle teilt zu Beginn seines Aufsatzes einen auf Bernhard I (= Pariser Codex) oder Bernhard II (= Berliner Codex) bezüglichen Brief des Peiresc mit, in welchem dieser unter dem 26. Juli (1628 dem R. P. Balthasar de Bus zu Avignon schreibt, er sende ihm mit Erlaubnis des Besitzers einige Hefte einer Handschrift, welche Predigten des hl. Bernhard in französischer Sprache enthalte. Diese Hefte umfassten zwei Reden in annuntiatione dominica vollständig, und zwar fange die erste im Original mit den Worten Quam dives in misericordia, die zweite Ut inhabitet gloria in terra nostra an. Der Vortragende weist nach, dass die hier in Rede stehende Handschrift unmöglich, wie Delisle meint, die Berliner gewesen sein könne, sondern sehr wahrscheinlich die altberühmte Pariser gewesen ist. Der Feuillantiner-General Jean Goulu (1576—1629), der sie von Nicolas Lefèvre (gest. 1612) zum Geschenk erhielt, ist vermutlich der Schuldige gewesen, der die kostbare Handschrift auseinandernahm und einzelne Hefte, wie an Peiresc, auch an andere Gelehrte verlieh, so dass die Unvollständigkeit der Handschrift nicht wunder nehmen darf.

Die Frage nach Entstehungsort und Zeit der Bernhard-Übersetzungen wird durch die Thatsache, dass Bernhard III (die neue Handschrift) nicht wie B I und B II in metzischem, sondern – so viel lassen schon die von Delisle mitgeteilten Proben erkennen – in wallonischem Dialekt abgefasst ist, in neue Beleuchtung gerückt. Gleich im ersten Satze überrascht die seltsame Anrede an die Zuhörer: sanior frere, die sich auch in den Moralien zu Hiob an verschiedenen Stellen wiederfindet, wie denn in einer ganzen Reihe sprachlicher Thatsachen sich Bernhard III und Hiob nebst den Dialogen Gregors decken. Der Vortragende weist auf die Form des Demonstrativums ceax, auf die auffällige Verwendung der betonten Persopalpronomina in proklitischer Stellung beim Verbum finitum (ilh moi misent, si tu ne toi conois), auf die Form des weiblichen Possessivums, auf das Suffix -ieble (in paisieble, taisieble), auf die Wiedergabe von ecce durch ellevos u. a. m. hin. Es ist dringend zu wünschen, dass die wichtige Handschrift recht bald sorgfältig herausgegeben werde.

Herr Tobler meint, der Herr Vortragende habe überzeugend ausgeführt, dass Delisle sich geirrt habe. Auch er wünsche, dals die ausserordentlich wichtige Handschrift bald einen Herausgeber finde, der den lateinischen Text mit abdrucke und es auch an grammatischen und lexikalischen Erörterungen nicht fehlen lasse. Zur Erklärung der von Herrn Schulze erwähnten Verwendung der betonten Personalpronomina in proklitischer Stellung beim Verbum weist Herr Tobler darauf hin, dass es auch einige andere litterarische Dokumente gebe, welche diese Erscheinung aufweisen; z. B. das von Cloëtta herausgegebene Poème Moral; in einer von Cloëtta abgedruckten Anmerkung habe er geltend gemacht, dass man darin nicht eine sonst unerhörte Verwendung der betonten Formen zu sehen habe, sondern dass, wie in voilé neben velé, estoilé neben estelé, hier nur ausnahmsweise ein sonst meist wirkendes Lautgesetz nicht zur Anwendung gekommen sei.

Herr Berneker spricht über die Volksepik der Grossrussen. Die epischen Volkslieder der Grossrussen werden Bylinen genannt, d. h. Lieder von dem, was war, was einst geschehen ist; sie preisen die Thaten der Bogatyren, der Helden alter Zeit. Die erste Aufzeichnung solcher Lieder wird einem Engländer, Richard James, verdankt; sie erfolgte am Weissen Meer zu Anfang des 17. Jahrhunderts und hat heute nur noch historischen Wert. Die bedeutendsten und wichtigsten Sammlungen sind die von Rybnikow und Hilferding. Die erstere umfasst vier Bände und erschien in den Jahren 1861–67; die Lieder sind alle im Gouvernement Olonec, dem Land am Onegasee, aufgezeichnet, wie denn sich die Bylinen überhaupt nur im äussersten Norden Russlands erhalten haben; ebendaher stammt auch die klassische Sammlung von Hilferding, der in den Jahren 1872 und 1873 auf dem von Rybnikow schon durchforschten Gebiet noch eine Nachlese von 318 Liedern hielt. Auch noch in letzter Zeit werden Lieder gefunden, zumeist am Weissen Meer, doch fliesst der Quell nur Doch spärlich. — Ihrem Inhalt nach werden die Bylinen von den russischen Gelehrten in verschiedene Cyklen eingeteilt: 1) der Cyklus der älteren Helden aus der Vor-Wladimirschen Zeit (gemeint ist Wladimir der Heilige, Grossfürst von Kiew, 980—1014); 2) der Cyklus der jüngeren Kiewer Helden aus der Zeit Wladimirs; 3) der Cyklus von Nowgorod. Zu diesen Cyklen gehören die meisten Bylinen, weniger zu den übrigen Cyklen: 4) dem Moskauer, 5) dem Peters des Grossen, 6) dem des 18. Jahrhunderts. Um ein Bild des Inhalts der Bylinen zu geben, analysiert der Vortragende aus dem ersten Cyklus die Bylinen von Wolch Wsesláwjewitsch, aus dem zweiten die Lieder, die Ilja Muromec, dem Lieblingshelden des russischen Volkes, gewidmet sind und sein Leben von seiner Jugend an bis zu seinem Tode behandeln, sodann aus dem dritten Cyklus die Bylinen von Sadko dem reichen Gast, der durch die Huld des Meerkönigs vom armen Guslispieler zum reichsten Kaufmann wird, dann in die Gewalt des Meerkönigs fällt und aus dessen Palast auf dem Meeresgrund durch Nikolai den Wunderthäter gerettet wird.

Für eine in Bern veranstaltete Sammlung zu einem Denkmal für Albrecht von Haller wird von der Gesellschaft ein Beitrag von 40 Franken beigesteuert.

Die Herren Dr. Bohostedt (Gr.-Lichterfelde), Dr. Wilhelm Spatz und Dr. Georg Sommer (Schöneberg) werden in die Gesellschaft aufgenommen.

Die Herren Desdouits, licencié ès lettres, Oberlehrer Dr. Johanpesson, Oberlehrer Dr. Münster und Oberlehrer Dr. Lindner haben sich zur Aufnahme gemeldet.

Sitzung vom 8. Oktober 1901. Herr Berneker setzt seinen Vortrag über die Volksepik der Russen fort. Die Form der Bylinen ist trotz ihrer Wanderung vom Süden nach dem Norden und ihrer Übertragung von Generation zu Generation während mehrerer Jahrhunderte verhältnismässig altertümlich geblieben dank der Abgeschlossenheit und dem zähen Hang an der Überlieferung der Bewohner von Olonec. Die Verse folgen ohne Strophengliederung, ohne Bindung durch Reim oder Allitteration aufeinander; sie sind zumeist sechs- bis siebenfüssig. An Hauptmetren kann man ein trochäisches (mit Daktylus am Schluss), ein trochäisch-daktylisches und ein anapästisches unterscheiden; zahlreiche Flickwörter dienen zum Festhalten dieser Metren; die Darstellung zeigt alle für die Volksepik überhaupt charakteristischen Züge, als: epische Breite, Wiederholung von Wörtern und ganzen Stellen, Paarung sinnverwandter Wörter, stehende Beiwörter und mehr oder weniger ausgeführte Vergleiche. - In früherer Zeit fasste man die Bylinen teils als rein mythologische, teils als rein historische, teils als direkt aus dem Osten entlehnte Lieder auf. Jetzt erkennt man in ihnen sehr komplizierte Gebilde, deren einzelne Bestandteile man eifrig zu sondern bestrebt ist. Historische Lieder priesen die Thaten Wladimirs und seiner Helden, und spätere Zeiten fügten diesem glänzenden Kreise immer neue Helden zu. Allmählich wurden die Lieder mit märchen- und sagenhaften Motiven durchsetzt, bis dieses Element das historische ganz überwucherte. Unter diesen Motiven sind teils solche von hohem Alter, die ein Gemeingut der indogermanischen Völker bilden, doch auch mehr noch neuere, die die Russen von ihren östlichen Nachbarvölkern überkamen; auch buchmässige Stoffe aus der Bibel, den Apokryphen und der reichen byzantinischen Erzählungslitteratur sind eingedrungen. In neuerer Zeit sind auch Berührungen mit dem Westen aufgedeckt worden; doch bleibt gerade hier noch viel zu thun übrig.

Herr Tobler findet diese Hinweise auf die Übereinstimmung zwischen russischer und westlicher Volkslitteratur sehr interessant. Er fragt, ob der vielgenannte moderne russische Dichter Maxim Gorki seine Sagenstoffe selbst erfunden oder dem Volksepos entnommen habe; ein Stoff wie der vom Herzen Dankos scheine ihm der Phantasie des Dichters entsprungen zu sein. Herr Berneker bestätigt das; seines Wissens habe eine solche Sage im Volke nicht existiert.

Herr Krueger sprach sodann über das Thema: Wie werden Abstrakta zu Konkretis? Es giebt keine festen Grenzen zwischen den sprachlichen Kategorien. Aus Gattungs- werden Eigennamen und umgekehrt, aus Hauptwort Eigenschaftswort und Zeitwort, aus jenem Hauptwort, aus Adverb Konjunktion und Adjektiv, aus Zeitwort Hauptwort, freilich nicht in jeder Sprache alles. Warum also nicht auch aus Abstraktum Konkretum, wenn auch der umgekehrte Gang das Übliche ist. Zudem, was ist denn Abstraktum? Der Begriff ist noch nicht befriedigend fest bestimmt und wird es auch nicht werden können, da der Übergänge zu viele sind. Jedem Konkretum haftet vom Abstrakten, diesem von jenem etwas an. Man sollte übrigens auf Eigenschafts- und Zeitwörter dieselbe Unterscheidung anwenden. Es lässt sich nach dem Gesagten erwarten, dass auch Ubergänge vom Abstraktum zum Sinnlichen stattfinden; solcher giebt es mehrere Gruppen. A. Vom Kollektivum aus, das vom Vortragenden näher bestimmt wird. Es löst sich wieder in seine Bestandteile, welche einzelne Sinnliche sind, auf; dies wird gezeigt an Frauenzimmer,

Schildwache, Rat, Bursche, Kamerad, Bekanntschaft; pratique, recrue, remonte; acquaintance. Es wird darauf hingewiesen, dass im Englischen an jedem Kollektivum noch heute täglich dieser Vorgang stattfindet; es wird als Singular behandelt, wenn der allgemeine Begriff, als Plural, wenn die Vorstellung des einzelnen vorherrscht, also my family lives in the country, aber all my family are passionately Scotch. Warum das in anderen Sprachen nur gelegentlich geschieht, dafür ist es schwer, einen Grund anzugeben. Für sentinelle wagt der Vortragende eine neue Ableitung; es sei vielleicht ein Spitzname gewesen, den man der Mannschaft im unteren Schiffsraum, die dort die Wache gehabt habe — das lat. sentinator spreche für das Vorhandensein einer solchen –, gegeben habe; die Schiffsmannschaften und Soldaten liebten solche Necknamen; er erinnert an unser

Schwamm für die während eines Manövers zurückbleibende Wachmannschaft und tell that to the marines. (Der Vortrag wird in der nächsten Sitzung fortgesetzt werden.)

Die Herren Lic. Desdouits und Oberlehrer Dr. Johannesson, Dr. Münster und Dr. Lindner werden in die Gesellschaft aufgenommen; die Herren Oberlehrer Paul Boek, Paul Selge und Wilhelm Schreiber und die wissenschaftlichen Hilfslehrer Dr. Rudolf Tobler und Dr. Paul Mertens haben sich zur Aufnahme gemeldet.

Sitzung vom 22. Oktober 1901. Herr Krueger beendigt seinen Vortrag über das Thema: Wie werden Abstrakta zu Konkretis ? Eine andere Gruppe von Konkreten ist, nach des Vortragenden Meinung, durch Übertragung aus Abstrakten entstanden. Oft sagt die Sprache unlogisch, jemand sei etwas, womit er nur in Beziehung stehe. He is good company, weil his company is good, agreeable. Entweder würde dies analog gebildet sein zu they are good company oder vermischt mit der Vorstellung, he is a good companion. Wie man gesagt hat, he is a good hand at whist statt his hand at whist is good, so auch er ist eine Specialität im Ringen' statt 'seine Specialität besteht im Ringen'. So erklären sich he is a good riddance, she is a fright, a caution, you humbug; a relation, connexion Verwandte; c'est une beauté; she is a beauty, une jeunesse, a youth; du Unart, Unzucht, Eigensinn; er ist eine alte Liebe von ibr, sie ist sein Verhältnis'; 'der deutsche Lehrer ist meist die Schwärmerei (der Schwarm) der jungen Mädchen'; ob connaissance, acquaintance Bekanntschaft = Bekannte(r), hierher gehören oder erst durch das Kollektivum hindurchgegangen sind, lässt sich nicht entscheiden. Genannt seien noch die Unschuld und das Wort Gottes vom Lande', *mein Besuch'; 'der Verdruss' = Buckel; so ist wohl auch gaudia zu der Bedeutung Juwel gekommen, weil es Freude erweckt. Auf demselben Wege der Übertragung ist die Bezeichnung des abstrakten Thuns auf sein sinnliches Erzeugnis übergegangen: Niederlassung, Gründung, Rechnung, l'addition, clothing, dwelling, dripping. Das ist so häufig, dass es selbstverständlich erscheint; dass dem indessen nicht so ist, merkt man plötzlich da, wo die Sprache beim Abstraktum stehen geblieben ist: cooking ist nicht auch das Gekochte; drinking nicht auch das Getränk. Es werden noch être, being Wesen, choice = Auserwählte(r); Schatz., copie, copy im Verhältnis zu copia besprochen. – Dass Abstrakta für einzelne Personen, welche die betreffende Thätigkeit ausüben, gebraucht wurden, kann psychologisch noch besondere Gründe gehabt haben: die Absicht, zu verhüllen, sich zu decken oder Nimbus zu verbreiten. So wird Leitung für Leiter, Krone für König gesagt; der Pluralis majestaticus, das Ihr' und 'Sie' der Anrede entsprossen ja derselben Wurzel. So werden die Anreden Majestät, Hoheit, Gnade entstanden sein; ursprünglich wird es wohl gelautet haben: die Majestät des Kaisers u. 8. w., wofür iepy is T'naguá oio

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