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Kleine Mitteilungen.

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Zum Ursprung der Salomo-Sage. Die Entstehungsgeschichte der mittelalterlichen Sage von König Salomo und seinem Kampfe mit den Dämonen erregt das allgemeinste Interesse. Aber sie enthält noch viele ungelöste Rätsel. Darum möchte ich mir erlauben, die auf dem Gebiete der älteren englischen, slavischen, französischen und deutschen Litteratur thätigen Forscher durch einen vorläufigen Hinweis mit einem kleinen Funde bekannt zu machen, der vielleicht geeignet ist, einen Hauptpunkt aufzuklären. In weiterem Zusammenhang wird darüber handeln das 7. Kapitel meiner demnächst erscheinenden, aus einem Exkurs meines Buches über Walther von der Vogelweide herausgewachsenen Untersuchungen 'Longinus und der Gral', die auf Grund einer neuen Darstellung der Geschichte der religiösen Phantasie des Mittelalters die Gralsage ableiten aus altchristlichen Pilgermärchen und aus der Popularisierung, Paganisierung und Magisierung der Messliturgie, insbesondere des Vorbereitungsteiles (II pooxouid) und der grossen Introitusprozession (Eigodos leyóan) der byzantinischen Messe.

Die um das Jahr 385 schreibende französische Jerusalem pilgerin, deren noch nicht lange bekanntes Reisememoire man sich gewöhnt hat als S. Silviae peregrinatio zu citieren, erzählt, in der Kirche des heiligen Grabes habe bei der liturgischen Ausstellung des Kreuzes Christi am Karfreitag, nachdem diese kostbarste Reliquie von allen Anwesenden geküsst worden war, ein Diakon auch noch den Ring des Salomo und das Horn, womit die alttestamentlichen Könige gesalbt wurden, zur Verehrung und zum Kuss dargereicht (Cap. 37, Itinera Hicrosolymitana rec. P. Geyer, im Wiener Corpus Scriptorum ecclesiasticorum latinorum Vol. 29, S. 88). Zwei Jahrhunderte später bestimmte der Breviarius de Hierosolyma (ebda S. 154) das noch genauer: der Siegelring Salomos werde gezeigt, mit dem er sich die Dämonen unterworfen habe, und er bestehe aus Electrum. Aber schon das älteste Palästina-Itinerar, im Jahre 333 von einem Südfranzosen verfasst, kannte in Jerusalem eine Krypta am heilkräftigen See Bethesda (Betsaida), in der Salomo die Dämonen peinigte, und ein auf wunderbare Weise mit einem einzigen Stein gedecktes Gemach an der Stelle des einstigen Salomonischen Tempels, wo der alttestamentliche König die Weisheit beschrieb', d. h. die Proverbien und den Koheleth (und das Buch der Weisheit?) verfasste.

In diesen magischen Werkzeugen des Salomo, in diesen fabelhaften Lokalitäten seiner Zauberkraft, die von der wundersüchtigen Andacht und unermüdlich schöpferischen Phantasie der altchristlichen Jerusalempilger angestaunt und mit märchenhaften, immer weiter ausgedichteten Geschichten jüdischer und arabischer Herkunft umsponnen wurden, liegt unzweifelhaft der Ausgangspunkt für die gesamte internationale Salomo-Sage des Mittelalters, deren jüngere, litterarische Überlieferung in neuerer Zeit die Arbeiten von Schaumberg, Friedrich Vogt und Wesselofsky beleuchtet haben. Noch im 12. Jahrhundert dauerte die alte Pilgertradition über Salomo fort: im Jahre 1137 wiederholte der Bibliothekar von Monte Cassino Petrus Diakonus die Erzählung von dem Horn und dem Ring Salomos, die in der Grabeskirche zu Jerusalem gezeigt würden. Ist danach das geblasene Signalhorn König Salomos in der russischen Überlieferung nur eine missverständliche Umgestaltung des ursprünglichen Salbhorns, entstanden unter dem Einfluss anderer bekannter Märchenmotive von dem rettenden Ruf des Horns oder der befreienden Melodie der Harfe? Halle a. S.

Konrad Burda ch.

Zu Goethes Sprüchen in Prosa. Zu dem Spruche Nr. 384 'Es giebt eine Höflichkeit des Herzens; sie ist der Liebe verwandt. Aus ihr entspringt die bequemste Höflichkeit des äussern Betragens' giebt G. von Loeper in seiner kommentierten Ausgabe (Berlin 1870) keine Quelle an, und auch anderwärts ist eine solche, soweit ich sehe, nicht verzeichnet worden. Goethes Quelle war vermutlich die folgende Stelle aus Sternes Sentimental Journey, Chap. LI: ... if we did not lose the politesse du cour, which inclines men more to humane actions than courteous ones.' Oder war ihm etwa dieser Abklatsch der Sternestelle in Mackenzies Man of the World (Part I, Chap. VI) gegenwärtig: "There is a politeness of the heart, which is confined to no rank, and dependent upon no education, etc.? – Die Sprüche 385 und 655 erinnern in der Pointe (auch das lässt Loeper unerwähnt) an Popes Eloisa to Abelard, v. 91–92 (vgl. Essay on Man, III 208) 'Oh! happy state! when souls each other draw, When love is liberty, and nature law.' Berlin.

0. Ritter.

? Man erinnere sich der bedeutenden Anleihe, die Goethe für seine 'Sprüche in Prosa' an den (Pseudo-)Sterneschen Koran gemacht hat.

P. Heyse und R. Burns. In Heyses "Gedichten' 15 1893, S. 12) findet sich ein Lied, dessen erste und vierte Strophe folgendermassen lauten:

Soll ich ihn lieben,

Soll ich ihn lassen,
Dem sich mein Herz schon heimlich ergab?

Soll ich mich üben,

Recht ihn zu hassen?
Rate mir gut, doch rate nicht ab! ...

Lass ich von schlimmer

Wahl mich bethören,
Besser, ich legte mich gleich ins Grab.

Klug ist es immer,

Auf Rat zu hören –

Rate mir gut, doch rate nicht ab! Die schalkhafte Pointe des Refrains — um von anderem abzusehen - findet ihr genaues Analogon in Burns' reizendem Liede Tam Glen:

My heart is a-breaking, dear tittie,

Some counsel unto me come len'.
To anger them a' is a pity,

But what will I do wi' Tam Glen? ...
Come, counsel, dear tittie, don't tarry!

I'll gie ye my bonie black hen,
Gif ye will advise me to marry

The lad I lo'e dearly, Tam Glen.
Berlin.

0. Ritter.

Zum Archiv CVII, S. 108: Mittelenglische Handschriften

in Dublin. Eine Abschrift der mittelenglischen Gedichte der Handschrift 432 des Trinity College, Dublin, befindet sich in meiner Hand. Veröffentlicht habe ich bisher das Misterium Abraham und Isaak (Anglia XXI 1 ff.); die anderen Stücke sollen gelegentlich folgen. Wien.

R. Brotanek.

Nachträge zu ‘König Eduard III. von England und die Gräfin

von Salisbury' (Berlin, 2. Ausg., 1901) von G. Liebau.

S. 8-10. Bei künftigem Anlass werden auch die Ergebnisse der mir inzwischen bekannt gewordenen beachtenswerten Schrift von James Mackinnon The History of Edward the Third' (London, New-York and Bombay 1900) in Erwägung zu ziehen sein. Nur will es mir scheinen, als ob der sorgfältige und gewissenhafte Verfasser in den für mich in Betracht kommenden Abschnitten seines Buches (insbesondere soweit der Krieg gegen Schottland vom Jahre 1341 in Frage steht: S. 205–211) den nicht immer zuverlässigen Spuren Froissarts in zu engem Anschluss gefolgt sei.

S. 23, Z. 1 v. 0. Der Ausspruch 'Honny soit qui mal y pense' wird allgemein für ein von Edward III. erfundenes Bonmot gehalten. Demgegenüber verdient hervorgehoben zu werden, dass der Satz schon vor ihm in Frankreich als Sprichwort geläufig gewesen ist, wie die ‘Acta sanctorum', Band 3 (unter dem 23. April), und Haydn *Dictionary of Dates', Artikel: 'Honi soit qui mal y pense', erweisen. (G. Büchmann, Geflügelte Worte', Berlin, 6. Aufl., 1871, S. 226, und Hertslet, «Der Treppen witz in der Weltgeschichte', Berlin 1886, S. 283.)

S. 26. Über Bandellos Stammbaum dürften einige Notizen nicht unwillkommen sein: “Bandello scheint seine Abkunft von Bandelchil, einem Sohne von Volamir (letzterer hatte lange unter Theoderich gedient), herzuleiten.' (Adrians Bandello-Übersetzung, 2. Aufl., 1826, I, S. 98.)

Bandello sagt in der Einleitung zu nov. 23 (Ausg. von 1554): 'In dem "geistlichen Märtyrerbuch” (Martirologio ecclesiastico) kann man lesen, dass im April zu Nemausio in Frankreich (dem jetzigen Nîmes) wegen seines Glaubens San Bandello Goto gemartert wurde. Das lässt mich glauben, der Name Bandello sei alt gewesen bei dem Volke der Goten'.

"Und (am Schluss der nov. 23 selbst, Bl. 170) indem die barbarischen Wörter mit italienischer Aussprache sich mässigten, nannten sich die Nachkommen des Bandelchil: Bandelli, wie sie heute noch heissen.

S. 27, Z. 13, 14 v. 0. Thomas Roscoe, der dem Titelblatt seiner Italian Novelists' (1825, 4 Bde.) zufolge 'aus dem Italienischen' übersetzt hat, bietet vier Novellen aus Bandello, unter denen sich die über Edward III. (II 37) aber nicht befindet.

S. 47 ff., Ziffer IV. Herr Professor Dr. Breymann in München hat mir gütigst mitgeteilt, dass nach seiner Ansicht die erste spanische Übersetzung des Bandello gewiss schon 1584 erschienen und dass die bezügliche Angabe Brunets im Manuel du Libraire', Supplément, 1878, I, Sp. 89, durchaus verlässlich sei. Vicente de Millis Godínez werde der ursprüngliche Übersetzer sein, welcher der ersten Ausgabe von 1584 4° eine zweite im Jahre 1589 80 habe folgen lassen. Claudio Curlet sei nichts weiter als ein Nachdrucker, der im gleichen Jahre 1589 einen Abdruck von Millis veranstaltet und namentlich folgendes wörtlich abgeschrieben habe: Pareciome traducirlas en la forma y estilo que están en la lengua francesa' etc. (vergl. Liebau S. 50, Z. 7 y. u. und S. 48, Mitte).

Ich muss dieser Auffassung durchaus beipflichten, denn da das kgl. Druckprivilegium nach dem Münchener Plagiatexemplar des Curlet bereits 1584 für den Verleger Juan de Millis Godínez, den Bruder des vorerwähnten Vicente de Millis Godínez, auf die Dauer von zehn Jahren ausgestellt worden ist, so wird anzunehmen sein, dass Vicente Millis thatsächlich auch die erste Übersetzung bereits im Jahre 1584 hat erscheinen lassen. Die Existenz einer zweiten Millisschen Ausgabe von 1589 wird von Nic. Antonio und bei Salvá (Bibl. de-) bestätigt. Schade, dass sich die Millisschen Ausgaben bis jetzt nicht haben ermitteln lassen!

Jedenfalls bin ich Herrn Professor Breymann für die Klarstellung der Angelegenheit zu lebhaftem Danke verpflichtet.

Nicht minder verbindlicher Dank gebührt dem Herrn Professor Dr. J. Bolte in Berlin, der in einer meiner Schrift gewidmeten trefflichen Besprechung (Stud. z. vgl. Littgesch. 1, 134-136, 1901) die bedeutsame Bemerkung macht, dass die italienische Novelle II 37 auch in den Niederlanden einen Übersetzer (M. Everaerts 1598) gefunden habe ('Tragische of klaechlijcke Historien' 1-2, Antwerpen 1598–1601; 1-9, Utrecht 1650), wozu G. Kalff, 'Geschiedenis der nederlandsche Letterkunde in de 16de Eeuw' 2, 207 (Leiden 1889), und R. A. Kollewijn: Theodore Rodenburgh en Lope de Vega in 'De Gids' 1891, 3, 358 zu vergleichen. Ferner wird von Bolte auf zwei mir unbekannt gebliebene, auf Bandello zurückgehende Erzählungen in dankenswerter Weise aufmerksam gemacht: 1) Louis Garon, 'Le chasse ennuy ou l'honneste entretien des bonnes compagnies', Paris 1641, S. 147 (Centurie 2, nr. 42): «Aeclips de Salberic', und 2) 'Abendstunden', Bd. 13 (Breslau 1774), S. 327—360: "Sieg der Tugend über unerlaubte Liebe.

Die niederländischen Übersetzungen von 1598 — 1601 (sehr selten) und von 1650 befinden sich in der kgl. Bibliothek im Haag; die letztere Übersetzung haben auch die Universitätsbibliotheken zu Leiden und Utrecht (hier fehlt Bd. 8) aufzuweisen. Das Haagener Exemplar von 1598 hat F. van der Haeghen zu Gent in der von ihm herausgegebenen Bibliotheca belgica', B. 149, beschrieben ; über die Ausgabe von 1650 vgl. die Abhandlung von de Witte van Citters in “De Nederlandsche Spectator', 1873, Bl. 140 ff.

Die ‘Abendstunden' und die Schrift von Garon sind in der kgl. Bibliothek zu Berlin vertreten.

S. 49, Z. 6 v. u. Die Novellen des Bandello, 'die noch heute jedes Freudenmädchen entzücken können' (Gregorovius 8, 343), stehen nur auf dem Index Sixtus' V. vom Jahre 1590. Näheres findet sich bei Fr. H. Reusch, Der Index der verbotenen Bücher,' Bonn 1883, I, S. 393 (und Anm. 4): "Sixtus V. vermehrte die 2. Kl. um eine ziemlich grosse Zahl von unsauberen italienischen Schriften in Versen und in Prosa; aber von diesen gingen nur einige wenige in den Index Clemens' VIII. über, der gedacht zu haben scheint, dass einerseits das allgemeine Verbot der Regel des Index genüge, andererseits

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