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Sarge, wie schödtung Clavigo's , indem die Katkäftigung zeig

Friederike vorlas,' und eine Frucht dieser Beschäftigung zeigt sich bereits im Clavigo (1774), indem die Katastrophe dieses Stückes, die Tödtung Clavigo’s durch Beaumarchais an Mariens Sarge, wie schon A. W. Schlegel gesagt hat, “gar sehr an die Beerdigung Ophelia’s und an das Zusammentreffen Hamlet's mit Laertes an ihrem Grabe erinnert'. 2 Ja man könnte auch in dem ganz von seiner Aufgabe erfüllten und gleich einem Pfeile auf die Rache losschiessenden Beaumarchais (im Gegensatz zu dem unschlüssigen Clavigo) einen Anklang an den Laertes finden, wenn man nicht wüsste, dass Göthe fast wörtlich aus dem Beaumarchais abgeschrieben hat. Göthe’s Entwickelung des Hamlet steht bekanntlich stückweise im vierten und fünften Buche von Wilhelm Meister's Lehrjahren. Meister lernt Shakespeare auf dem Grafenschlosse durch Jarno kennen, und noch nie hat ein Buch, ein Mensch oder irgend eine Begebenheit des Lebens so grosse Wirkungen auf ihn hervorgebracht. Diese köstlichen Stücke scheinen ihm ein Werk eines himmlischen Genius zu sein, der sich den Menschen nähert, um sie mit sich selbst auf die gelindeste Weise bekannt zu machen. Es sind keine Gedichte! Man glaubt vor den aufgeschlagenen, ungeheuern Büchern des Schicksals zu stehen, in denen der Sturmwind des bewegtesten Lebens saust, und sie mit Gewalt rasch hin und wieder blättert. Er ist so erstaunt und ausser Fassung gebracht, dass er nur mit Sehnsucht auf die Zeit wartet, da er sich in einem Zustande befinden wird, weiter lesen zu können. Alle Vorgefühle, die er jemals über Menschheit und ihre Schicksale gehabt hat, die ihn von Jugend auf, ihm selbst unbemerkt, begleiteten, findet er in Shakespeares Stükken erfüllt und entwickelt. Es scheint ihm, als wenn Shakespeare uns alle Räthsel offenbarte, ohne dass man doch sagen kann, hier oder da ist das Wort der Auflösung. 3 Vor Allem wird Meister von dem “unvergleichlichen Hamlet' gefesselt und wünscht ihn zur Aufführung zu bringen. Ich hatte, sagt er, ohne zu wissen, was ich that, die Rolle des Prinzen übernom

| Wahrheit und Dichtung, Elftes Buch. XXVI, 37. — Die den Hamlet betreffenden Kapitel wurden aller Wahrscheinlichkeit nach in den Jahren 1785 und 1786 geschrieben. S. Göthe's Briefe an Frau v. Stein, herausgg. von Schöll. III, 136-138, 169 und 230.

2 A. W. v. Schlegel's Sämmtliche Werke. Herausgegeben von Ed. Böcking. Leipzig, 1846. VI, 413. – Göthe selbst giebt an (Wahrheit und Dichtung 15. Buch, Bd. 26, S. 343), dass er den Schluss des Clavigo einer englischen Ballade entlehnt habe.

3 Wahrheit und Dichtung, Buch 3, Kap. 11.

Last dater diesem cher Launend so

men; ich glaubte sie zu studiren, indem ich anfing, die stärksten Stellen, die Selbstgespräche und jene Auftritte zu memoriren, in denen Kraft der Seele, Erhebung des Geistes und Lebhaftigkeit freien Spielraum haben, wo das bewegte Gemüth sich in einem gefühlvollen Ausdrucke zeigen kann. Auch glaubte ich recht in den Geist der Rolle einzudringen, wenn ich die Last der tiefen Schwermuth gleichsam auf mich selbst nähme, und unter diesem Druck meinem Vorbilde durch das seltsame Labyrinth so mancher Launen und Sonderbarkeiten zu folgen suchte. So memorirte ich und so übte ich mich und glaubte nach und nach mit meinem Helden zu Einer Person zu werden'. Diese Stelle ist deshalb wichtig, weil das, was Wilhelm (d. h. Göthe) hier von sich sagt, wörtlich von Deutschland überhaupt gilt. Gerade so hatte sich Deutschland zum Hamlet verhalten. Allein Wilhelm - Göthe dringt tiefer. Er entwickelt sich die Charaktere, besonders den des Hamlet, und kommt dann zu dem berühmten Ergebniss, dass Shakespeare habe schildern wollen: eine grosse That, auf eine Seele gelegt, die der That nicht gewachsen ist. Hier wird ein Eichbaum in ein köstliches Gefäss gepflanzt, das nur liebliche Blumen in seinen Schooss hätte aufnehmen sollen; die Wurzeln dehnen sich aus, das Gefäss wird zernichtet.' Wilhelm nimmt den Hamlet gegen die eigenen Landsleute des Dichters in Schutz, welche behauptet haben, dass das Hauptinteresse mit dem dritten Akt aufhörte, und dass die zwei letzten Akte nur kümmerlich das Ganze zusammenhielten. Er ist weit entfernt, den Plan des Stückes zu tadeln, er glaubt vielmehr, dass kein grösserer ersonnen worden sei; (ja, er ist nicht ersonnen, es ist so. Der Held hat keinen Plan, aber das Stück ist planvoll.'1

Nun aber kommt die Frage der Aufführbarkeit. Als sich Wilhelm entschloss, die Bühne zu betreten, hatte er sich ausbedungen, dass der Hamlet ganz und unzerstückt aufgeführt werden sollte, und Serlo hatte sich dies wunderliche (!!) Begehren in sofern gefallen lassen, als es möglich sein würde'. Serlo räth zu streichen und die Spreu vom Weizen zu sondern. Es ist nicht Spreu und Weizen durcheinander, ruft Wilhelm, es ist ein Stamm, Äste, Zweige, Blätter, Knospen, Blüten und Früchte. Nach wiederholten Streitigkeiten giebt Wilhelm nach und macht sich selbst an eine Bühnenbearbeitung. Er unterscheidet, nach der reiflichsten Überlegung, in der Komposition

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des Stückes zweierlei: das Erste sind die grossen innern Verhältnisse der Personen und der Begebenheiten, die mächtigen Wirkungen, die aus den Charakteren und Handlungen der Hauptfiguren entstehen – und diese sind unverbesserlich. Das Zweite sind die äussern Verhältnisse der Personen, wodurch sie von einem Orte zum andern gebracht, oder auf diese und jene Weise durch gewisse zufällige Begebenheiten verbunden werden, und diese, meint er, müssen einfacher sein, als sie uns der grosse Dichter gegeben hat – zumal für uns Deutsche. Shakespeare hat für Insulaner geschrieben, die selbst im Hintergrunde nur Schiffe und Seereisen, die Küste von Frankreich und Kaper zu sehen gewohnt sind; allein was den Engländern etwas ganz Gewöhnliches ist, zerstreuet und verwirrt uns schon. Wittenberg, die Reise des Laertes nach Frankreich und seine Rückkunft, die Verschickung Hamlets nach England, die Seeräuber u. s. w. sollen daher wegbleiben, und der Zuschauer soll sich im Hintergrunde Nichts weiter denken, als die zwei einzigen fernen Bilder, Norwegen und die Flotte. Auf die einzelnen Anweisungen und Andeutungen, welche Göthe zu diesem Behufe giebt, können wir nicht weiter eingehen und fügen nur noch hinzu, dass in der That der Hamlet von Klingemann danach bearbeitet worden ist. 1.

Seit Göthe hat Shakespeare's Hamlet in Deutschland noch zwei Stadien unserer literarischen Entwickelung durchzumachen gehabt, das der romantischen Poesie und Ästhetik (Schlegel, Tieck, Solger u. s. w.) und das der philosophischen Kritik (Hegel, Gans, Ulrici u. s. w.); allein er hat dies Schicksal mit den übrigen Dramen Shakespeare's getheilt und dabei keine so hervorragende Stellung eingenommen, dass eine in's Einzelne gehende Darstellung seiner neuesten, noch nicht abgeschlossenen Geschichte von der Geschichte der Shakespeareschen Werke überhaupt losgelöst zu werden verdiente. Den Romantikern verdanken wir bekanntlich unsere Shakespeare - Übersetzung, die alle übrigen weit in den Hintergrund gedrängt und Shakespeare zu einem deutschen Klassiker gemacht hat. Aber auch durch ihre ästhetischen Schriften haben sie zum allgemeinern und tiefern Verständniss des grossen Briten ausserordentlich viel beigetragen. In dieser Hinsicht gebührt Schle

Shakespeare's Hamlet. Ein Trauerspiel in 6 Aufzügen. Nach Göthe's Andeutungen im Wilhelm Meister für die Bühne bearbeitet von A. Klingemann. Leipzig, 1815.

2 Vgl. dagegen Julian Schmidt, Weimar und Jena in den Jahren 1794 bis 1806. Leipzig, 1855. S. 147 folg.

gel's Vorlesungen über dramatische Kunst und Literatur eine unvergängliche Krone. Schlegel spricht von Shakespeare mit umfassendster Kenntniss und erhabenster Begeisterung. Den Hamlet findet er einzig in seiner Art; er erklärt ihn für ein Gedanken - Trauerspiel, durch anhaltendes und nie befriedigtes Nachsinnen über die menschlichen Schicksale, über die düstere Verworrenheit der Weltbegebenheiten eingegeben, und bestimmt, eben dieses Nachsinnen wieder in den Zuschauern hervorzurufen. Er vergleicht ihn mit jenen irrationalen Gleichungen, in denen immer ein Bruch von unbekannten Grössen übrig bleibt, der sich auf keine Weise auflösen lässt. Unentschlüssige Vorsicht, schlaue Verrätherei und rasche Wuth eilen hier dem gleichen Untergange entgegen; weniger Schuldige oder Unschuldige werden in den allgemeinen Fall mit verwickelt. Das Schicksal der Menschheit steht da wie eine riesenhafte Sphinx, die jeden, der ihr furchtbares Räthsel nicht zu lösen vermag, in den Abgrund des Zweifels hinabzustürzen droht. 1 . Mit diesen Worten schliesst Schlegel seine Besprechung des Hamlet; mit diesen Worten wollen wir auch unsere Einleitung schliessen.

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BIBLIOGRAPH I E.

ENGLISCHE AUSGABEN.

The Tragicall Historie of Hamlet Prince of Denmarke By Wil

liam Shake - speare. As it hath beene diuerse times acted by his Highnesse seruants in the Cittie of London: as also in the two Vniuersities of Cambridge and Oxford, and else - where. At London printed for N[icholas] L[ing] and John Trundell. 1603. 4o. 33 Blätter. (QA)

"Only one copy is known of this edition, and that wanting the last leaf, now in the collection of the Duke of Devonshire. The play is, however, perfect to the death of Hamlet, and has been reprinted, 8°, London. [Leipzig ?] 1825'

Halliwell Shakesperiana p. 18. The Tragicall Historie of Hamlet, Prince of Denmarke. By

William Shakespeare. Newly imprinted and enlarged to almost as much againe as it was, according to the true and perfect Coppie. At London, Printed by J[ames] R[oberts] for N. L[andure) and are to be sold at his shoppe vnder Saint Dunston's Church in Fleetstreet. 1604. 4o. 51 Blätter. (QB)

Nach Halliwell a. a. 0. ist der Name Landure auf dem
Titel ausgeschrieben.
. 1605. (QC)
• The title-page of the ed. of 1605 does not differ in the
most minute particular from that of 1604.' Collier.
*Copies in Capell’s Collection and the British Museum'

Halliwell a. a. 0.
The Tragedy of Hamlet, Prince of Denmarke. Newly Imprinted

and inlarged, according to the true and perfect Copy lastly

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